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Venedig 2

Noch immer nicht die Biennale besucht? Stattdessen sich auf einer anderen, die eine Zweijahresausstellung werden will, herumgetrieben? Zur Erinnerung daran, dass es noch Venedig gibt, zur Vermeidung der Sommerdepression und zur Einstimmung auf eine herbstliche Grand Tour an die Lagune hier eine Zusammenstellung einiger einschlägiger Filme. Brot und Tulpen/Pane e tulipani, Silvio Soldini 2000 Mein Lieblings-Venedigfilm. Eine Frau wird an einer Raststätte in Mittelitalien vergessen, sie lässt sich per Autostop nach Venedig, wo sie immer schon mal hinwollte, mitnehmen und lernt dort einen depressiven Kellner kennen, den sie vom Suizid abhält und dem sie nach und nach Wohnung und Oberstübchen aufräumt. Ganz selbstverständlich ist das Ambiente eine Weltsensation von hinten, das Restaurant gibt sich äußerst bescheiden, der Kanal dümpelt irgendwo in Cannaregio, und der blätternde Putz ist nicht malerisch sondern hat sich so ergeben. Bruno Ganz als Kellner Girasole, der eigentlich Solblom heißt, aber seine isländische Herkunft im Kauzigen versteckt, ist eine Attraktion für sich. The Tourist, Florian Henckel von Donnersmarck, 2010 Der vielleicht schlechteste Venedigfilm. Unglaublich, wie der Regisseur nach seinem Oscar alle Sorgfalt fahren lässt. Der Schauplatz ist das, was einem in Amerika einfällt, wenn er titelkonform an Tourismus denkt, er landet auf Postkartenblicken und vertraut darauf, dass das Vorzeigepärchen Angelina Jolie und Johnny Depp sich feist in Positur bringt. Die Story folgt ganz Jerome Salles großartigem Thriller „Anthony Zimmer“ aus dem Jahr 2005, Sophie Marceau spielte darin die weibliche, Yvan Attal die männliche und Nizza die topografische Hauptrolle. Merke: Man kann überall gute und überall schlechte Filme machen. Moonraker, Lewis Gilbert, 1979 Das fragile Gebilde im Wasser eignet sich sehr gut zum Zerlegen, und klar, dass Bond, James Bond, die Gelegenheit nutzt. In „Moonraker“ lässt er sich als Roger Moore ein Glasmuseum servieren, um es zu zerhacken, man hätte auch „Casino Royale“ nehmen können, bei dem er als Daniel Craig am Canal Grande einen Palazzo versenkt, oder das frühe „Liebesgrüße aus Moskau“, in dem er als Sean Connery einen wunderbaren Showdown mit Lotte Lenya verabreicht, um nach siegreichem Bestehen mit seinem Girl in der Gondel zu hängen, den Dogenpalast breitwandig im Rücken. Everyone Says I Love You, Woody Allen, 1996 Der Meister lässt seit langem keine Metropole aus, doch Venedig ist eben keine. Deshalb führt die Stadt auch nur eine Cameo-Existenz in Allens Musical, bei dem alle, die mitmachen, auch mitsingen müssen. Der Auftritt Venedigs ist dabei von skurrilem Feinsinn, denn er stellt die Arena für einige frühmorgendliche, entsprechend einsame Jogging-Runden, auf der sich dann doch zwei Menschen begegnen: Es sind Allen, der sich wieder einmal selber darstellt, und Julia Roberts, die, man kennt das von ihr, eine Kunsthistorikerin spielt. Dass Venedig etwas mit diesem Metier zu tun hat, weiß auch der gebildete New Yorker. Dangerous Beauty, Marshall Herskovitz, 1998 Die Geschichte der „Kurtisane von Venedig“, so die obligatorisch dämliche deutsche Betitelung. Sie hat tatsächlich gelebt, Veronica Franco wird etwa in Montaignes Reisetagebuch erwähnt („ein junges, venezianisches Frauenzimmer“ in der Ausgabe des Insel-Verlags), sie hat auch Reime geschmiedet, und der Reiz des Films besteht darin, sie nach dem Modell des Cyrano de Bergerac in diverse Dichterwettstreite zu verwickeln. Die Texte sind wirklich hübsch, das Venedig indes, das der Film ausschließlich im Studio nachstellt, ist ein Hohn. Da sind einem dann doch, um die noch anzumerken, „Der Tod in Venedig“ von Luchino Visconti, 1971, „Wenn die Gondeln Trauer tragen/Don't Look Now“ von Nicholas Roeg, 1973, und „Fellinis Casanova“, der den Meisternamen von Anfang an im Titel trug, 1976, lieber.

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