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BRAFA - Brussels Antiques and Fine Art Fair: Feintuning mit Privatjets

Die Brafa Art Fair macht fast alles richtig. Das fängt schon beim Namen an, dessen lindwurmartige Dechiffrierung Brussels Antiques and Fine Art Fair durch das an sich unsinnige Anhängsel "Art Fair" elegant verschlankt wurde. Konzeptuell und architektonisch scheint man jetzt ebenfalls eine Form gefunden zu haben, mit der man für die nächste Zeit arbeiten will. Die Zeiten der Expansion sind vorbei, jetzt geht es ans Feintuning. Die Zahl der Aussteller ist sogar leicht gesunken, von 128 auf 126. Zwölf von ihnen sind neu dabei, darunter "Die Galerie" aus Frankfurt, die jetzt offenbar lage genug vergeblich um eine Zulassung zur Art Cologne gebuhlt hat, um mit einer thematischen Schau zur Cobra-Gruppe nach Brüssel zu reisen. Der Deutsche verstärkt damit die bislang schwächste Sektion der Messe, die Bildende Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts. Guy Pieters aus Knokke hat dieses Jahr auf sein "Kabuff" verzichtet, das in der letzten Ausgaben noch einmal ungefähr die Größe des eigentlichen Standes maß und einigen Unmut von anderen Ausstellern auf sich gezogen hatte. Die gigantische "Koje" hat jetzt eher musealen Charakter, mit einem Francis Morellet-Raum, jeweils einen für Jan Fabre, Gilbert & Goerge, Koen van Mechelen und einigen gemischten Räumen. Das war es allerdings schon an positiven Nachrichten aus diesem Bereich. Bruno Nelis, Pressesprecher der Brafa, windet sich ein wenig um Nachfragen zum Thema. "Zeitgenössische Kunst ist nicht unbedingt das Gebiet, das wir pushen wollen", erklärt er. "Wir beschränken uns da auf die bereits etablierten Positionen. Tatsächlich gibt es eine ganze Reihe zeitgenössische Galerien, die hier reinwollen. Aber wenn wir uns für fünf öffnen, werden wir Probleme haben, der Flut Herr zu werden. Denn gerade diese Galerien finden hier ein Publikum, das sie sonst nicht kennenlernen. Wir wollen diese Tür aber nicht zu weit öffnen." Meistens kommt diese Ware allerdings durch die Hintertür. Robertaebasta aus Mailand etwa zeigen hochwertiges Art Deco, wie ein Bar-Möbel in Form eines Polyedrischen Globus von Ico Parisi, zu dem sie ein zeitgenössisches Gemälde übelster Anmutung eingeschmuggelt haben. Das lässt hoffen. Andererseits haben die angestammten Gebiete allesamt ein Nachwuchsproblem. Das verwundert nicht, hat es die Branche doch bisher nicht verstanden, jüngere Menschen für die Kunst älterer Epochen zu begeistern. Es ist zwar eine Binsenweisheit, dass schlicht der Bildungshintergund immer mehr verloren geht. Allerdings tun viele Branchenvertreter mit ihren altväterlichen Präsentationen wenig dafür, ihre Ware in ein zeitgemäßes Licht zu rücken. Zu den gelungenen Ausnahmen gehört der Stand von Didier Claes aus Brüssel, der seine Außereuropäische Kunst aufgeräumt und auf wenige Stücke reduziert präsentiert, wie z.B. eine Bronze-Plakette aus Edo aus Nigeria des 17. Jahrhunderts. Das große und typisch starkfarbige Aquarell von Sam Francis hängt nicht dahinter oder darüber, sondern an der benachbarten Wand, ebenfalls als Solitär. Sehr reduziert ist auch die Präsentation von De Bakker aus Hoogstraten, die ihre Koje als weiße Krypta gestaltet haben. Die Niederläner Flamen vertreten einen Bereich, der bestenfalls auf der Tefaf noch so zahlreich und hochwertig vertreten ist: die mittelalterliche Skulptur. Auch Elmar Robert aus Köln fühlt sich hier sichtlich besser aufgehoben als am Rhein. Ein Sammelgebiet, das eigentlich keines ist und das dennoch hoch gehandelt wird, umfasst Kunstkammerobjekte, in die von je her nicht nur Virtuoses und Absonderlichkeiten aus einheimischer Produktion sondern auch aus exotischen Teilen der Welt gehören. Da bieten nicht nur die Spezialisten etwas, die hier zahlreicher sind als in Maastricht. Auch andere Händler bringen Ausgefallenes mit, weil der Belgier wohl etwas damit anfangen kann. So hat Dario Ghio aus Monte Carlo eine ziemlich gruselige Wachsplastik von Gaetano Giulio Zumbo aus dem späten 17. Jahrhundert dabei, die drastisch die Vergänglichkeit des Menschen vor Augen führt; Kostenpunkt 200.000 Euro. Trotz des Bemühens um Qualität und eines enormen Besucherandrangs - letztes Jahr kamen 55.000, dieses Jahr wohl noch mehr - ist bei den Verkäufen jedoch noch Luft nach oben. Das wissen auch die Veranstalter. Bruno Nelis: "Einfach mehr Besucher anzuwerben, ist kein Ziel für sich. Wir wollen die Qualität der Besucher verbessern. Es sind sehr viel schwerer, den einen Sammler zu aktivieren, der mit dem Privatjet kommt als 10.000 Besucher mehr zu bekommen." Bei der Qualität der Aussteller dürfte auch noch einiges passieren. Die "Kunstberatung" aus Zürich etwa war letztes Jahr mit Alten Meistern angetreten. Dieses Jahr zeigt sie Art Deco. Das ist zwar hübsch anzusehen – der chromglänzende Tischkicker dürfte Männerherzen höher schlagen lassen. Aber Verlässlichkeit und ausgewiesene Expertise beweist man so nicht. Zudem ist das Geschäftsgebaren eher opak. Mit einem großen und tatsächlich musealen Gemälde von Tamara de Lempicka haben die Schweizer zwar das teuerste Werk der Messe dabei. Auf Nachfrage heißt es jedoch: "Das ist ein Museumsstück. Bei so viel Schönheit ist Geld doch nicht wichtig." Doch, ist es. 25 Millionen Euro oder Franken möchte man dafür haben.
BRAFA - Brussels Antiques and Fine Art Fair
24.01 - 01.02.2015

Tour & Taxis
1000 Bruxelles, avenue du Port 86 C/ B
http://www.brafa.art
Öffnungszeiten: 11 - 19h


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