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A Sentimental Education: Spiel der Emotionen

In der von Franklin Melendez kuratierten Ausstellung „A Sentimental Education“ ergründen die ProtgonistInnen einer post-Internet Generation den Umgang mit alltäglichen Emotionen, die in unterschiedlichen Medien und Formaten ironisch aufgeladen werden. Als VertreterInnen vorwiegend einer Y-Generation thematisieren die KünstlerInnen in ihren Arbeiten die Entschleunigung alltäglicher Vorgänge sowie die Transferierung medialer Prozesse, in denen Strukturen des Internets vorformuliert bzw. extrapoliert werden. Amalia Ulman verwendet Wanddekorklebetexte rund um das Thema Mutter, die sie im Internet bestellte und in einem Arrangement wie auf einer Werbefläche an die Wand affichierte um dabei die per se ironische Verherrlichung des Themas in seiner Vielfalt zu überhöhen. Bei Uri Aran drehen sich die Sentimentalitäten um das Thema Mensch und Tier, genauer genommen ist der Künstler in einem Video zu sehen wie er einen Hund an sich drückt und dabei fast in Tränen ausbricht. Die Groteske wird in Edward Marshall Shenks „Slenderman Canopic Jar“ fortgeführt, bei dem der gesichtslosen und in diesem Fall jedoch ganz weißen Internetgestalt Slenderman in Form einer Figur eine ebenso weiße Gesichtsurne beigestellt wird und durch Kerzen umrundet ein Schrein entsteht. Im selben Raum zeigt Francisco Cordero-Oceguera eine leere Kartonschachtel, in der einst reell Kunst transportiert wurde und die nun zur Verkörperung des Phänomens Kunst und der ihm inhärenten Prozessen dient. Bei Rosa Aiello verdichten sich unterschiedlichste Komponenten wie Animation, Verlangsamung und Groteske im Video „Shame Baby Shame“. Der übergelagerte Song Born Free kann symbolisch für jene KünstlerInnengeneration gesehen werden, die im post-ideologischen Zeitalter des Internets ihr künstlerisches Vokabular definiert, wobei es dazu kommen kann, dass wie etwa in diesem Video Putzszenen entstehen, bei denen Stacheln abgewischt werden. Bei Bunny Rogers & Jasper Spicers Rauminstallation aus rein schwarzen und weißen Objekten handelt es sich in ähnlicher Weise um die Absenz des Subjekts, an das anhand von spezifischen Gegenständen erinnert wird, wie durch einen leeren Eislaufplatz, die Jacke eines Mädchens oder im Raum aufgestellte Tresore. Im allumfassenden Medienmix der Ausstellung darf letztendlich auch Malerei nicht fehlen, etwa jene Gemälde von Gregory Edwards, bei denen in einem „extra soft“ zu lesen ist. Im Kontext der Ausstellung würde hier jede/r vordergründig an digitale Prints denken, deren Internet Aura durch die Öl auf Leinwand Geste jedoch wieder zur traditionellen Konnotation von Malerei zurückführt. Als einziger älterer Vertreter in der Ausstellung gilt Lucas Michael, dessen mit dem iPhone 6 gefilmtes Slow Motion Video „Parallel Lives“ eine öffentliche Situation in Venedig zeigt, bei der durch unterschiedliche Glasflächen gefilmt wird und so der Eindruck entsteht, als würden sich hier mehrere Bildflächen überlagern. Auch hier wird eine örtlich reale bzw. analoge Situation festgehalten und so die Mechanismen des Internets bzw. jenes Verhältnis von digitalen und realen Welten hinterfragt.
A Sentimental Education
16.01 - 14.03.2015

Galerie Andreas Huber
1040 Wien, Schleifmühlgasse 6-8
Tel: +43-1-586 02 37, Fax: +43-1-586 02 37
Email: art@galerieandreashuber.at
http://www.galerieandreashuber.at
Öffnungszeiten: geschlossen


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