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Phantom der Lust: Die polymorph Perversen

Wenn Peter Weibel eine Ausstellung macht, dann ist mit mancherlei Theorie zu rechnen, mit spröder obendrein. Jacques Lacan, so weiß der Polyhistor Weibel, habe einst vorgeschlagen, den Marquis de Sade mit Kant zu lesen. In diesem Sinn, so Weibel, sollte man Leopold von Sacher-Masoch mit Hegel ins Visier nehmen. Der Alt-Idealist bereits hatte von den Wonnen der Knechtschaft schwadroniert und eine solche Logik der Unterwerfung gelte es nun ins Körperbewußtsein zu übersetzen. Wenn Peter Weibel eine Ausstellung macht, dann ist mit vielerlei Praxis zu rechnen, und unter tausend Exponaten lässt es seine Präsentation auch diesmal nicht sein Bewenden haben. Multipel sind die Obsessionen und es tun sich myriadenfach die Alternativen auf, sich und seinen Leib zu erfahren. Gemeinsam ist all den vorgeführten Haltungen die Verwiesenheit auf die unteren Regionen. Zwischen den Verwegenheitsaposteln Kubin und Beardsley über die Maul- und Klauenhelden des Surrealismus zu den Trash-Heroen der Gegenwart, Catherine Opie zum Beispiel oder Larry Clark, spielt sich das Spiel des Obszönen. Wenn Peter Weibel eine Ausstellung macht, dann ist er schlau genug, den Lokalpatriotismus zu hätscheln. Sacher-Masoch lebte lange in Graz, Richard von Krafft-Ebing, der in seiner "Psychopathia sexualis" aus dem Verfasser der "Venus im Pelz" den Begründer eines Ismus, des Masochismus, machte, desgleichen. Und der Parademasochist ist vollends ein Steirer. Arnold Schwarzenegger gibt den Kronzeugen ab für ein Traktieren des Körpers, bei dem sich die Folterapparate nur oberflächlich zu Fitnessmaschinen geglättet haben. Wenn Peter Weibel eine Ausstellung macht, dann wird es meist eine gute. So auch diesmal. Die Steirer danken es ihm und der Crew von der Neuen Galerie nicht, denn sie haben ein Jugendschutzgesetz, und vor dem prallt aller aufklärerische Impuls ab. Die Schau darf man also nur dann betreten, wenn man achtzehn ist. Sie gilt mithin als Porno. Offenbar muss man erst einmal Jürgen Klauke mit Waltraud Klasnic und Elke Krystufek mit Josef Krainer lesen.
Phantom der Lust
26.04 - 26.08.2003

Neue Galerie Graz am Landesmuseum Joanneum
8010 Graz, Sackstrasse 16
Tel: +43 316 82 91 55, Fax: +43 316 81 54 01
Email: post@neuegalerie.stmk.gv.at
http://www.neuegalerie.at
Öffnungszeiten: Mo-Sa 9-18, So 9-12 h


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