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FIAC: Ist FIAC die bessere Frieze?

Nur wenige Tage nach dem Ende der Frieze ist die Erinnerung noch frisch. Viele Gesichter sind die gleichen, und auch die Aussteller sind bei der FIAC zumindest im etablierten Erdgeschoss des Grand Palais in Paris noch vom letzten Wochenende bekannt. Und doch wirkt die Messe völlig anders. Viel eleganter – das Grand Palais ist halt etwas anderes als ein Zelt – aber auch unaufgeregter, weniger hektisch. Judy Lybke von Eigen + Art aus Berlin/Leipzig ist sichtlich gut gelaunt. "In London geht es sehr straight ums Geschäft, hier kommen die Leute und reden." Das ist – für einen Galeristen eher ungewöhnlich – positiv gemeint. Denn das Geschäft ist auf beiden Messen vergleichbar. Nur interessieren sich die Menschen in Paris seiner Beobachtung nach tatsächlich für die Kunst. Das hängt möglicherweise damit zusammen, dass Sammeln hier eine ganz andere Tradition hat, vielleicht mit dem anderen Publikum, das schon etwas länger Geld hat. Das bestätigt Rosemarie Schwarzwälder von der Galerie Nächhst St. Stephan aus Wien: "Hier kann man den Leuten etwas über Inhalte erzählen. Und sie wollen auch etwas über Inhalte hören." Dafür sind die Ansprüche wohl etwas gehobener. In Paris leisten es sich daher nicht viele Aussteller, einen Querschnitt des wohlbekannten Galerieprogramms einfach in die Koje zu schütten. Templon aus Paris ist so eine Ausnahme: Kelinde Wiley, Jonathan Meese und Jan Fabre schreien da zusammenhanglos in Wiederholung des Immergleichen von den Wänden. Das Bemühen vieler Aussteller um eine stimmige Präsentation ist dagegen auffallend, auch wenn niemand soweit geht wie Isabella Bortolozzi, deren Stand eine aus zwei Arbeiten bestehende riesige Glitzerinstallation von Wu Tsang ist. Esther Schipper, ebenfalls aus Berlin, zeigt ausschließlich Skulpturen verschiedener Künstler. (Eine der Handtaschen in einer der drei abschließbaren Vitrinen "Identities on Display" von Karin Sander dient dabei gleichzeitig als Depot für die Habseligkeiten der Galeriemitarbeiter.) Green Naftali aus New York prunkt mit fünf Großformaten von Günther Förg aus dem Jahr 1989. Im Galeristensprech nennt man so etwas mittlerweile gerne mitunter "historische Arbeiten". Im tatsächlichen Moderne-Bereich hat Tornabuoni aus Florenz/Mailand/Paris in seiner unter dem Motto "Rosso" stehenden Koje gleich fünf rote "Concetti Spaziali" im Angebot. Auch die mitteletablierten jüngeren Positionen im Salon D'Honneur im oberen Geschoss wirken wesentlich aufgeräumter als der entsprechende Sektor der Frieze. Andererseits sind die Galerien nicht so richtig jung. Das lässt sich schon an den – gegenüber früheren Jahren reduzierten – Namen deutscher Teilnehmer ablesen: Kadel Willborn (Düsseldorf, früher Karlsruhe), Neue Alte Brücke (Frankfurt), Peres Projects (Berlin), Parisa Kind (Frankfurt), Micky Schubert (Berlin), Chert (Berlin), Croy Nielsen (Berlin), als Ausnahme Kraupa-Tuskany Zeidler (welch Überraschung: auch aus Berlin). Allerdings ist hier durchaus möglich, richtig teuer zu kaufen. Plan B aus Berlin/Klausenburg hat ein "Self-portrait in 1945" von Adrian Ghenie für 230.000 Euro dabei (natürlich sofort verkauft, an einen türkischen Sammler). Etwas problematisch ist das Fehlen eines klaren Profils des Sektors. Wirklich jung sind nur die wenigsten Galerien und irgendwie gilt es als ausgemacht, dass hier diejenigen untergebracht werden, die es aus irgendwelchen Gründen nicht nach unten schaffen, wie Frank Elbaz aus Paris. Das ist als Dauerzustand etwas unbefriedigend, scheint aber kaum jemanden zu stören, solange die Fiac als Verkaufsplattform funktioniert. Und das scheint der Fall zu sein. Zugunsten der Verkäuflichkeit mussten Videos fast vollständig weichen. An ihre Stelle ist die ebenfalls unhandliche Skulptur getreten. Die Formate der Malerei sind hingegen durchschnittlich ziemlich groß. Anscheinend wird dem Marktplatz einiges an Kaufkraft zugetraut. In den ersten, den A-VIPs vorbehaltenen, Stunden der Vernissage wurde in den Gängen übrigens auffallend viel Deutsch gesprochen, aber praktisch kein Russisch.
FIAC
23 - 26.10.2014

FIAC
75000 Paris, Grand Palais
http://www.fiacparis.com


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