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Scully

Über Sean Scullys Bilder kann man schwerlich Geschichten erzählen. Sie lassen die Sprache scheitern, denn sie liefern keine Anhaltspunkte für etwas, das sie nicht selbst sind, sie laden weder zu Vergleichen ein noch bemühen sie sich um Referenzen in der Realität. Doch sie schaffen Ausgleich, indem sie ein Kompendium darstellen, eine Enzyklopädie dessen, was Malerei kann, wenn sie sich ganz auf ihre eigenen Möglichkeiten einlässt. Im Moment ist Scully in Koblenz zu sehen, im dortigen Museum Ludwig. Das figurative Früh- wird seinem abstrakten Hauptwerk benachbart. Bleiben wir bei diesem, denn es ist exemplarisch. Sean Scully, Ausstellungsansicht Ludwig Museum, Koblenz, Foto: Helmut Beier Scullys Bilder fordern das Format heraus: Bisweilen scheinen sie sich in der Miniatur verdichten zu wollen, ein anderes Mal greifen sie aus ins Panoramatische, und steht man vor ihnen, sieht man nur noch ihre Gemachtheit. Scullys Bilder fragen nach den Möglichkeiten künstlerischer Manier: Die Streifen, die sie bevölkern, sind Retortenstücke, kommen von der Heraldik und von der Abstraktion, gemahnen an das Hard Edge der Sechziger und an die Dekoration von Markisen oder Schirmen. Doch hat Scully es längst aufgegeben – am Anfang hatte er sich darin noch versucht –, diese Streifen exakt zu ziehen, im Gegenteil, an den Übergängen von einer Bahn zur nächsten wird so etwas wie Handschrift bemerkbar, und die Demarkationslinie wird zur Spielwiese individueller Verfassung: Je technischer, je distanzierter das Arbeitsfeld, um so manifester die Abweichung. Scullys Bilder loten aus, was Komposition ist: Sind seine Oberflächen gerichtet, und gibt es eine Wertung in Oben-Unten, Links-Rechts, Zentrum-Rand? Sind sie also relational und glauben sie an eine Ordnung, und sei es nur jene der Schwerkraft, oder schwören sie eher auf ein All-Over, das Allüberall visueller Gegebenheiten, das nur zufällig an dem Ort dieses Gemäldes unterbrochen worden ist? Scullys Bilder stellen ihre Objekthaftigkeit aus. Dann wirken sie voluminös, gehen in die Tiefe, sind bei aller vordergründigen Flachheit zugleich Körper, und bisweilen dreht sie Scully um ihre Achse, so dass sie nur auf einer ihrer Schmalseiten mit der Wand in Berührung sind und vorstoßen in den Raum. Dann sind sie Reliefs und verzichten auf alle Flachheit. Scullys Bilder gehen ganz prinzipiell zu Werke. Sie stellen vor Augen, was alles an Vorüberlegung zu treffen ist, bevor sie entstehen können. Bei aller Sinnlichkeit zielen sie auf den Intellekt. Müßig anzumerken, dass sie doch ganz selbstverständlich Malerei sind, Farbe auf Fläche in legerer Organisiertheit. -- Sean Scully - Figure / Abstract 31. Aug. - 16. Nov. 2014 www.ludwigmuseum.org

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