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DAM

Das Deutsche Architekturmuseum in Frankfurt feiert seinen 30. Geburtstag. Begangen wird die Festivität mit einem Rückblick auf das Wirken des Gründungsdirektors Heinrich Klotz, der dann anschließend auch der Gründungsdirektor des Karlsruher ZKM wurde. Viel zu früh ist Klotz 1999 verstorben, wer weiß, was er noch gegründet hätte. Heinrich Klotz, 1988 © Freek van Arkel Die Eröffnungsausstellung des ZKM im Sommer1984 hat, was will man mehr von derlei Schauen, einen Begriff in die Welt gesetzt und ihn erfolgreich behauptet. „Die Revision der Moderne“ war eine Passage durch all das, was nach dem International Style der Funktionalisten/Modernisten/Bauhäusler seit den Sechzigern möglich wurde. Sie fand in einem Haus statt, das einer der Protagonisten dieser Post-Moderne als Schaustück schlechthin ersonnen hatte, das Exponat in Lebensgröße unter den Exponaten per Modell oder Zeichnung: Das Meta-Mäßige, Architektur-über-Architektur-Hafte von Oswald Mathias Ungers' Architekturmuseum am Schaumainkai kam vollends zur Kenntlichkeit im durchaus überspannten Gedanken eines Hauses im Haus, einer Urhütte aus den Ungers-üblichen Quadraten, die dem bestehenden Gebäude aus der Gründerzeit aufgepfropft wurde. Wobei Aufpropfung hier weniger Metapher als Terminus ist, einer von Jacques Derrida, für den der botanische Begriff, la greffe, perfekt taugte zur Beschreibung der Bauten von Bernard Tschumi. Theorielastig ging es zu im allerneuesten Bauen, und der Marburger Professor Klotz ließ natürlich in die Vollen greifen. Für mich ist „Die Revision der Moderne“, zusammen mit der documenta 7, die wichtigste Ausstellung überhaupt. Den Katalog kann ich bis heute mehr oder weniger auswendig, und die Namen, die nunmehr als die Grand Old Party im Raum stehen, Hollein und Koolhaas, Venturi und Rossi, Rob Krier und Leon Krier, Haus-Rucker-Co., Eisenman und Gehry, Jahn und Meier, sie alle fanden sich vorgestellt, viele zum ersten Mal. Die Ausstellungsstücke zeigten unmissverständlich, dass diese Positionen genauso als Kunst-über-Architektur firmieren, dass sie allesamt Modelle abgaben, die sich, wie Jean Baudrillard das seinerzeit auf den Punkt gebracht hatte, ihre Realisierungsmöglichkeiten erst suchen und somit genauso gut, wenn nicht besser, als Poster taugen denn als Trophäe für Banker oder Denker. Dass bald festzustellen war, wie Künstler - Dan Graham, Vito Acconci oder die in Deutschland gerade aktuell werdenden Thomas Schütte und Ludger Gerdes - von der anderen Seite her dasselbe konzipierten, machte die Sache nur aufregender. Hybride waren angezeigt, Mischformen, oder wie Venturi es nannte, das Sowohl – Als Auch gegenüber dem Entweder - Oder. Weil es so genuin bildnerisch zuging, konnte Klotz eine Sammlung anlegen, die man jetzt als „Wunderkammer“ inszeniert: Zeichungen, Drucke, Modelle aber auch Gemälde, geschaffen von den obligatorischen Größen, zu denen dann auch Kippenberger zählt. Man lässt die Fotos, die Klotz allesamt selber ziemlich aus der Hüfte geschossen hat, Revue passieren, eine Dia-Show aus dem Geist der Achtziger. Und es gibt die Tonaufnahmen zu hören, die Klotz machte, wenn er Architekten traf. Im Begleitbuch sind schließlich Tagebuchaufzeichnungen zu lesen, in denen sich der Zeitgeist verdichtet: nicht zuletzt auch der Geist der Verhinderung, speziell von Seiten der Frankfurter Honoratioren mit dem wichtigsten Bankmenschen an der Spitze. Auch das ortsansässige Intelligenzblatt machte sich begeistert stark gegen alles Nach der Moderne. „Bedauerlicherweise“, trägt Klotz am Tag der Eröffnung seines Museums in sein Tagebuch, „gibt es kaum einen Journalisten, der die Ausstellung angemessen würdigen kann, da auch hier die Vergleichsmöglichkeit nahezu fehlt.“ Das architektonische Feld lag leidlich brach. Klotz hat es bestellt. www.dam-online.de

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