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TEFAF 2014: Die wahren Preziosen

Eigentlich dürfte der Art Market Report, der von der Tefaf in Auftrag gegeben und traditionell zu Beginn der Messe vorgestellt wird, den Ausstellern nicht gefallen. Demnach ist der Kunstmarkt im letzten Jahr auf gut 47 Mrd. US-Dollar angewachsen. Zwar soll der Handel um 8 Prozent zugelegt haben, Auktionen nur um 5 Prozent. Doch machen Christie's und Sotheby's bei zweistelligen Zuwachsraten jeweils über eine Milliarde Dollar oder rund 20 Prozent ihres Umsatzes mit Private Sales, die dem Handelssektor zugerechnet werden und so die Statistik verunklären. Zudem geht das Wachstum fast zur Gänze auf das Konto der Zeitgenössischen Kunst und dort vor allem in der Preisspitze, also jenseits der 10 Millionen-Marke. Die Tefaf steht in fast allem für das Gegenteil. Gleichwohl ist die Stimmung gut in Maastrichts tristen Messezentrum. Angesichts eines neuen Besucherrekords zur Eröffnung jenseits der 10.000 ist das nicht verwunderlich. Preislich hat auch hier das Segment Post War und Modern Contemporary die Antiquitäten und Alten Meister in weiten Teilen überrundet, auch wenn die ganz großen Galerien nicht selten nur zu Kurzauftritten nach Holland kommen; letzter Fall Gagosian. Genug zu sehen und vor allem zu kaufen gibt es allerdings immer noch. Im Foyer hat Van de Weghe aus New York ein riesiges Mobile von Alexander Calder aufstellen lassen, das man sich für 20 Millionen Dollar nach Hause liefern lassen kann. Bei Marlborough Galleries erfordert die "Study for the Human Body" von Francis Bacon aus dem Jahr 1986 einen Einsatz um 15 Millionen Pfund. Karsten Greve (Köln/Paris/St. Moritz) hat "Le Feu" von Wols aus den Jahren 1947-1949 (5 Mio. Euro) und ein schön gealtertes "Concetto Spaziale" in Gelb von Lucio Fontana aus dem Jahr 1960 (3,5 Mio. Euro) dabei. Die Klassische Moderne ist prominent, aber nicht überwältigend vertreten. Hier ist der Nachschub an Top-Qualität besonders rar. Thomas aus München hat aus seiner Galerieausstellung "Die Angst des Hasen" von Franz Marc mitgebracht, das knapp 10 Millionen Euro kosten soll. Landau Fine Art präsentiert seine Top-Stücke weniger offensichtlich. Ein liegender Akt von Fernand Leger (10 Mio. Euro) harmoniert in der halbdunklen "Koje" in Wohnzimmergröße mit einer Familiengruppe von Henry Moore aus dem Jahr 1947 (3,15 Mio. Euro). Bowman Sculpture aus London tritt mit einer Solo-Präsentation von Skulpturen Auguste Rodins an, mit Preisen von 45.000 Euro für kleine posthume Handstudien bis zu einem Modell der "Danaide" (2,175 Mio. Euro), das einer von nur vier Lebzeitgüssen ist. Vincent van Goghs "Le Moulin de la Galette" kostet bei Dickinson Roundell aus London/New York mindestens zehn Millionen Pfund. Unbestritten Spitze ist die Tefaf bei Alten Meistern. Wohl nur hier dürften sich gleich mehrere Versionen des gleichen Altmeistergemäldes finden. Bei Richard Green aus London sind zwei Tafeln von Pieter Brueghel dem Jüngeren zu sehen. Eine größere Szene beim "Landanwalt", die dem Sujet entsprechend etwas gröber ist für 3,35 Millionen Euro und eine kleinere "Sankt Georgs-Kirmes" mit dem üblichen Bauerngewimmmel für 6,8 Millionen Euro. Bei de Jonckheere aus Paris und Genf sind fast identische Bilder im Angebot. Der "Landanwalt" kostet hier jedoch nur 2 Millionen Euro. Die "Kirmes" hatte am Eröffnungstag schon einen neuen Eigentümer, so dass ein Preis nicht erfahren war. Walter Senger aus Bamberg macht "eine positive Tendenz" aus und vermeldet "großes Interesse an unseren teuren Stücken". Mit teuer meint er unter anderem einen vollständig im Original erhaltenen Klappaltar, der dem Brüsseler Meister der Barabara-Legende zugeschrieben ist und 2,8 Millionen Euro kosten soll. Das außergewöhnliche große Gedränge in den Gängen mit 10.000 Besuchern dürfte zur guten Stimmung der Händler beitragen, war der Publikumsandrang zur Eröffnung doch zumindest letztes Jahr wegen des schlechten Wetters deutlich geringer. Ihre wahre Pracht entfaltet die Tefaf bei Antiquitäten und verwandten Sparten. Der Handschriften- und Inkunabelhändler Heribert Tenschert aus Ramsen in der Schweiz lässt an seinem minimalistischen Stand 50 Objekte für sich sprechen. Eines der beeindruckendsten Werke ist das Brevier des Dichters Octovien de Saint Gelais, der 1494 zum Erzbischof von Angoulême geweiht wurde. Die Ferstigstellung des Buches mit 29 Miniaturen von Jean Pichore hat er jedoch nur so gerade eben noch erlebt, weshalb zur weiteren Verwendung der Preziose seine Wappen ausgekratzt wurden. Der Sinn von Kunsthandel offenbart sich in der Tatsache, dass Tenschert auf seine Kosten eine Monographie zu dem Brevier von einen renommierten Kunsthistoriker erstellen lässt. Die ist sozusagen als Service im Kaufpreis von 880.000 Euro eingeschlossen. Wenige Stände weiter renommiert die Galerie Neuse mit einem Königsberger Schachbrett von 1607. In das aus Bernstein gefertigte Spielgerät sind geschnitzte Elfenbeinmedaillons eingearbeitet, die Szenen aus Ovids Metamorphosen darstellen. Es war ein Geschenk an den englischen König Edward I. und kommt laut Galerie direkt von einer Seitenlinie der Familie. Der Preis ist deutlich siebenstellig. In der Design-Abteilung herrschen gemischte Präsentationen vor, hauptsächlich von Möbeln. Lediglich die Pariser Galerie Downtown präsentiert ausschließlich Objekte aus dem indischen Chandigarh, das allerdings zum wiederholten Mal. Blickfang ist ein dreiteiliger Konferenztisch, der für mehr als 350.000 Euro angeboten wurde und am ersten Tag verkauft war. Ulrich Fiedler aus Berlin zeigt an seinem Stand, warum das Design sich zu Recht auf der Tefaf etabliert hat. Eine Kaffekanne mit Milchkännchen des Bauhaus-Künstlers Hans Pschyrembel war bisher nur von einem Foto bekannt (250.000 Euro). Ebenso im Angebot ist ein Brieföffner von Henry van de Velde, der in dieser Kleinform aus Silber und Ebenholz alles verkörpert, was den belgischen Jugendstil ausmacht (75.000 Euro).
TEFAF 2014
14 - 23.03.2014

MECC (Maastricht Exhibition & Congress Centre)
6229 Maastricht, MECC (Maastricht Exhibition & Congress Centre), Forum 100
Tel: +31 43 383 86 66 , Fax: +31 43 383 88 08
Email: info@tefaf.com
http://www.tefaf.com
Öffnungszeiten: täglich 11-19 h


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