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Qualität und ihre Berichterstattung

Wer austeilt, kriegt auch etwas zurück, und Klaus Albrecht Schröder wäre der letzte, der sich darüber wundern würde. In diesem Sinn kam Günter Traxlers Standard-\"Blattsalat\" über ihn. Und irgendwie geriet das Angerichtete, das oftmals sehr gehaltvoll ist, wurmstichig. Nicht, dass man den wohlbestallten Albertina-Direktor verteidigen müsste. Eher muss man einmal mehr über den Zustand reden, in dem sich in der hiesigen Presselandschaft etwas darbietet, das kritisch gemeint ist. Traxlers \"Blattsalat\" soll ja kritisch gemeint sein, selbst- und institutionenkritisch, als Remedur gegen die Déformation professionelle der vierten Gewalt. Also hat er die Kollegen im Auge und den Blödsinn, den sie verzapfen. Normalerweise. In Traxlers Tirade mit dem Titel \"Der Merlin ist ein Whippet\" ging es allerdings umweglos gegen das Objekt einer im Kurier verbreiteten Hymne und nicht gegen deren Subjekt. Schröder-Schelte statt Autoren-Outing: Birgit Braunrath, der Hofberichterstatterin, die ganz offenbar der direktoralen Aura erlegen war, erfuhr in Traxlers Darstellung gar die zweifelhafte Schonung, nur als \"Dame vom Kurier\" respektive \"Mitarbeiterin des Blattes\" bezeichnet zu werden. Anscheinend war sie nicht satisfaktionsfähig. Dafür wurde ausgiebig Schröders Hund mit Schröders Frau verglichen. Natürlich kann man jetzt so hinter Traxler herkarten, wie er hinter anderen Verfassern herkartet, und das bis ins Unendliche betreiben. Doch dass um des billigen Witzes willen, für den Schröder unbenommen ein dankbares Ziel ist, der aufklärerische Gedanke vergessen wird, steht für die ganze Endlichkeit der hiesigen Journaille. Apropos Qualitätszeitung. Im profil war vor ebenfalls nicht langer Zeit folgender Satz zu lesen: \"Hier pendelt sich Österreichs amtlich gefördertes Kunstverständnis auf dem beliebigsten Nenner ein, einem Nenner, der niemandem wehtut, am allerwenigsten denen, die sich mit ihm schmücken.\" Weil er so schön ist, wurde er gleich ein Schlusssatz, er zierte eine \"Biederstand\" betitelte Abrechnung mit Franz Morak und stammte von Sven Gächter. Einen Nenner, auf den man sich einpendelt, der bei Bedarf nicht einmal wehtut, aber mit dem man sich schmücken kann, einen solchen Nenner gibt es wohl tatsächlich nur in Österreich. In Österreich und seiner Presselandschaft. Glückliches Land. Und bald wird der Zahn der Zeit, der schon so manche Träne getrocknet hat, auch über diese Wunde Gras wachsen lassen.

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