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Kreativität braucht Kapital

Am Wochenende waren die meist jungen Blockupy-Aktivisten in Frankfurt unterwegs. Die Banken waren ihr Demoziel. Die Arbeitslosigkeit lauerte im Hintergrund. Mit Sprechchören machten sie ihrem Frust Luft. Und mit teils skurrilen, gescheiten, aggressiven Plakaten und Transparenten untermauerten sie ihre teils vernünftigen, teils kindischen Forderungen an Politik und Marktwirtschaft. Und mittendrin ging ein junger Mann mit einem kleinen Plakat auf dem stand: „Kreativität braucht Kapital“. Jetzt stellt sich nun natürlich sofort die Frage, wie das gemeint war. Ironie? Wurde nur das Wort „kein“ vergessen? War der Junge ein Undercoveragent der Banken? Oder wollte er einfach nur die Wahrheit sagen? Wir werden es nie erfahren. Aber immerhin – er hat leider recht. Kreativität braucht an sich kein Kapital. Aber die Realisierung von Kreativität braucht in den allermeisten Fällen Geld. Viel Geld. Kein Designermöbel ohne Geld, kein Konzert ohne Geld, kein Museum, keine Kunstmesse, keine Galerie, keine bemalte Leinwand ohne Geld, kein Buch ohne Geld, kein Foto ohne Geld, kein Blasmusikfest ohne Geld. Nur mehr pure Gedankenkreativität in den eigenen vier Wänden. Und so beschissen es auch ist – es ist die Wahrheit. Also hilft Blockupy der Kreativwirtschaft ziemlich wenig bis nix. Wir sollten einfach mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln und mit all uns zur Verfügung stehender Kreativität versuchen, einen klitzekleinen Teil des im Umlauf befindlichen Kapitals Richtung Kultur und Kunst umzuleiten. Ein tausendstel Promille würde schon genügen, um die beiden hemmungslos zum Blühen zu bringen.

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