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Spuren einer Künstlerexistenz

Die Bedeutung eines künstlerischen Werkes und die damit verbundene soziale Stellung der Person des/der Künstler/in ist oftmals durch die vertextlichte Präsenz des Werkes der Person in diversen Drucksorten bedingt. Das Erscheinen einer Monografie mit biografischen und werkspezifischen Reflexionsansätzen bedeutet meistens eine Anerkennung auf höchstem Niveau. Letzteres trat auch beim österreichischen Künstler Georg Paul Thomann ein, dessen Werk 2002 auf der Biennale von Sao Paulo vertreten war. Termingerecht erschien unmittelbar davor die in Deutsch und Englisch verfasste Monografie \"Wer erschoss Immanenz. Betrachtungen zur Dynamik von Aneignung und Intervention bei Georg Paul Thomann\". Namhafte VertreterInnen der österreichischen KuratorInnen-, KritikerInnen- und KünstlerInnenszene trugen das ihre bei, um auf über 500 Seiten Leben und Werk des Künstlers in extensivem Ausmaß zu analysieren. Obwohl der Name Thomann in der Öffentlichkeit bis dato kaum bekannt war - gelegentlich aus dem Fanzine monochrom - konnte ein beträchtlicher Teil der AutorInnen auf persönliche Erlebnisse mit dem Künstler und eine Reihe kunsthistorisch signifikanter Referenzmomente verweisen. Durch die stets dem Konzept der Immanenz, eine der letzten revolutionären künstlerischen Tugenden verpflichtete Arbeitsweise galt Thomann als Meister der subversiven Kritik dominanter Realitätsebenen und daher als Vertreter der jeweils aktuellen Avantgarde seit den sechziger Jahren des vorigen Jahrhunderts - und dies ungeachtet des Genres, ob Malerei, Performance, Rock- oder Pop(sub)kultur. Auffallend ist jedoch die ephemere Qualität des verwendeten Bildmaterials, die spätestens nach der Lektüre des letzten Kapitels (Thomanns selbst inszeniertem Rekurs auf Barthes\ Autorentod) das Gesamtkunstwerk Thomann als Fake outet. Es handelt sich folglich um die Aneignung einer Diskursivitäts- und Interventionsdynamik, mit der es der Künstler- und Bastelgemeinschaft monochrom gelang, die wesentlichsten Aspekte der österreichischen Gegenwartskunstgeschichte zu synthetisieren, sowie mit einer postmodernen Textfragmentik die Möglichkeiten künstlerischer Inszenierungsmodelle auszuloten. Wer erschoss Immanenz? Betrachtungen zur Dynamik von Aneignung und Intervention bei Georg Paul Thomann, hrsg. von Thomas Edlinger, Johannes Grenzfurthner und Fritz Ostermayer, edition selene, Wien 2002

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