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Weltraum. Die Kunst und ein Traum: Volare, Cantare

Was habe ich also gelernt in dieser Ausstellung? An richtig nützlichen Dingen zweierlei. Erstens, dass die Bezeichung „Blauer Planet“ auf Juri Gagarin zurückgeht, der es ja auch als erster wissen musste. Und zweitens, dass Captain Kirk und Lieutenant Uhura in Raumschiff Enterprise alias Star Trek den ersten rassenübergreifenden Kuss der TV-Geschichte austauschen, und zwar im diesbezüglich ohnedies sehr phantasievollen Jahr 1968. Diese zwei merkens- und bemerkenswerten Phänomene musste ich mir ziemlich zusammenkramen in einer Halde an Sekundärem und Spektakelträchtigem bestenfalls fürs Kurzzeitgedächtnis. Was die Kunsthalle Wien angesammelt hat, ist allzu viel, mit einem Wort, Weltraum-Schrott. Das liegt daran, dass sie das versprochene halbe Jahrhundert an Space-Begeisterung nicht ausschöpfen. Sie zeigen das, was sie immer zeigen, das Gegenwärtige, die üblichen Videos und die übliche Quotenregelung, so dass „erfreulich viele Frauen“ die Schau bevölkern, wie es von einschlägiger Seite hervorgehoben wurde. Also wenig Sechziger Jahre – auch wenn man sich eine spezielle Hommage an Gagarins rundes Jubiläum seiner All-Tour vor fünfzig Jahren nicht nehmen lässt und Walter Famler eine schöne Vitrine mit Devotionalien gestaltet hat. Und viel, allzu viel, Nomen est Omen, Nuller Jahre. Es gibt kaum amerikanische PopArt und überhaupt keine englische, in der das Space Race die zentrale Ikonografie abgibt. Die Sixties waren die Dekade, da der Weltraum eine Obsession war, Major Tom sich im Unendlichen verlor, Dietmar Schönherr souverän das Raumschiff Orion manövrierte und man, auch das, auf dem Mond landete. Die Nuller Jahre sind die Dekade, da man ein paar Künstler und Künstlerinnen findet, die sich mit dem All beschäftigen, so wie es andere gibt, die meinetwegen Stilleben malen oder sich beim Geldzählen porträtieren. Einst war der Weltraum ein kollektives Phantasma, jetzt gibt es ihn eben. Da kann auch Thomas Ruff, von dem ein Sternenbild die Ausstellung ziert, nicht mehr als illustrieren. Die Schau hätte leisten können, was man so gerne und so allgemein akklamiert vor sich her trägt: Die Kunst ernst nehmen. Ernst nehmen dahingehend, dass man ihr so etwas wie Sensibilität attestiert, die Fähigkeit zur Vorwegnahme, die buchstäbliche Kunst, die Nase in den Wind zu halten. Warum kein Yves Klein, der das Blaue schon in den Fünfzigern aus der Luft holte (assistiert von Domenico Modugnos 1958er „Volare“ mit einem unsterblichen „nel blu, dipinto di blu“), und Gagarin womöglich eine Eingebung verschaffte? Es gibt, das ist ein kulturgeschichtliches Axiom, keine Technologie, wenn nicht vorher das Bedürfnis dazu da war. Auch bei der Raumfahrt. Schade, Thema verschenkt (und weil wir schon beim Nörgeln sind: Das Konzentrationslager, aus dem Arthur Rudolph Zwangsarbeiter für den Bau der V2-Rakete rekrutierte, heißt Mittelbau-Dora, nicht, liebe Leute von der Kunsthalle, Mittelbau-Dorau; das hat mit einem Sänger aus den Achtzigern nichts zu tun).
Weltraum. Die Kunst und ein Traum
01.04 - 15.08.2011

Kunsthalle Wien Museumsquartier
1070 Wien, Museumsplatz 1
Tel: +43 1 521 89-0
Email: office@kunsthallewien.at
http://www.kunsthallewien.at
Öffnungszeiten: Di-So 10-19, Do 11-21 h


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