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Triennale

„Frage: Warum haben Sie es nicht größer gemacht, so dass es den Betrachter drohend überragt? - Antwort: Ich habe kein Monument gemacht. Frage: Warum haben Sie es dann nicht kleiner gemacht, so dass der Betrachter darüber hinweg sehen kann? - Antwort: Ich habe kein Objekt gemacht.“ Diesen Dialog, in dem Tony Smith bezüglich seines 180-Zentimeter-Stahlkubus zur Rede gestellt wird, nimmt Robert Morris als Einleitungszitat zum zweiten Teil seiner „Notes on Sculpture“, publiziert im Oktober 1966 in „artforum“. Was zu lesen gegeben wird, ist ein Plädoyer für Lebensgröße, und der minimalistische macht sich über den modernistischen Plastiker dabei auch ein wenig lustig. Womöglich, insinuiert Morris, ist es vorbei mit derlei Praktiken einer Proportion. Seit dreißig Jahren verschreibt sich das sehr schwäbische Städtchen Fellbach in der Nähe von Stuttgart einer Figur, die von Smiths Strategie nichts hält. Kleinplastik wird dort gegeben, im Abstand von drei Jahren, stets werden renommierte Kuratoren engagiert, die sich mit den tragbaren Untergrößen vor Ort ins Benehmen setzen. Zum elften Mal findet die Triennale der Kleinplastik jetzt statt, besorgt hat sie diesmal Ulrike Gross, früher Kunsthalle Düsseldorf, jetzt Chefin des Kunstmuseums Stuttgart. Und nachdem zuletzt unter Matthias Winzen, seinerzeit Kunsthalle Baden-Baden, versucht wurde, das Prinzip gegen den Strich zu bürsten, nimmt Ulrike Gross die Idee der Kleinplastik sehr ernst und sehr buchstäblich. Herausgekommen ist eine wunderbare Schau, witzig, originell, überraschend, mit herrlichen Exponaten. Friedrich Kunath, Pancho, 2008 Oftmals, gerade bei der Olbricht Collection in Krems zu bewundern, sind Ausstellungen besser als die Summe ihrer Einzelstücke. In Fellbach dagegen passt es vortrefflich zusammen. Das Groteske, Widersinnige, Karikaturenhafte, das ohnedies im Kleinformat steckt, hält die ihrerseits nicht sehr große, etwa sechzig Positionen umfassende Präsentation zusammen, mit Scherz, Satire, Ironie und tatsächlich vorhandener tiefere Bedeutung. Besonders gelungen: Georg Herold natürlich, der Meister des Miniaturfachs, mit „European African Sculpture“, zwei Giacommetti-haften Drahtgestellen, denen ein Kondom übergezogen ist, benachbart von zwei Statuetten im Kolonialstil, die in Teesieben stecken; Erklärung überflüssig. Oder: Friederike Klotz, Berlinerin, mit einer Arbeit deren Titel „Nationalhymen“ nolens volens einem Gedicht Helmut Eisendles abgelauscht ist; im Inneren einer Trommel ist ein hymnenartiges Musikstück zu hören, die Bespannung wird durch die Töne zum Vibrieren gebracht, so dass die Miniaturgestalten, die die Oberfläche bevölkern, sich zu bewegen beginnen, mechanisch-motorisch, eine Agora der Fremdgesteuertheit, eine treffliche Metapher für das Wahlvolk als Stimmvieh. Werner Reiterer ist dabei, Franz West, ein Pionier des Fachs wie Andre Thomkins, ein Altgedienter wie Thomas Schütte oder Tobias Rehberger, viel Frisches, und selbst Katharina Fritsch wirft sich mit ihrer Krake zu nie gesehener Komik auf. Hinfahren, liebe Leute: Diese Schau gehört zu den Highlights des Jahres. Bis 11. Oktober. Informationen: www.triennale.de

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