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Josef Pillhofer 1921 - 2010

Wie ein Signal steht das letzte grosse Werk von Josef Pillhofer vor dem Eingang zum 2008 eröffneten Museum in Neuhaus/Sula, das sich Herbert W.Liaunig für seine Sammlung erbaut hat. Es ist eine strenge Komposition, die 6 Meter hoch aufragt und bis zu 8 Meter breit ist. Aus Eisenplatten gefügt, steht die Skulptur in der Landschaft, dominant und doch bescheiden. Dominant und bescheiden, so kann man auch den Bildhauer bezeichnen, er hat sich nie in den Vordergrund gespielt, hat sein umfangreiches Werk eher im Stillen geschaffen. Und dabei gehört Pillhofer zu den wahrhaft Bedeutenden des Landes. Josef Pillhofer ist Steirer, geboren 1921 zwar in Wien, ist er aber in Mürzzuschlag aufgewachsen, hat an der Kunstgewerbeschule in Graz Bildhauerei und Malerei studiert - wo er dann von 1970 - 1981 als Professor wirkte - und hat sich in Neuberg an der Mürz eine Pillhofer-Halle errichtet, in der viele seiner Skulpturen und Zeichnungen zu sehen sind. Nach der Grazer Kunstgewerbeschule kam Pillhofer 1947 nach Wien, wo er nicht nur an der Akademie der bildenden Künste studierte, sondern auch zum Kreis des Art Clubs gehörte. Seine künstlerische Prägung hat der junge Künstler bei Fritz Wotruba, vor allem aber in Paris bei Ossip Zadkine und Henri Laurens erfahren, wo er in den 1950er Jahren an der Académie de la Grande Chaumière studierte. Er erfuhr in Paris einen ganz anderen Umgang mit der Abstraktion, als er ihn aus Wien kannte, und er erlebte die damalige Euphorie des künstlerischen Aufbruchs, die ihn prägte und der er sich verwandt fühlte. Sein Bestreben war das „Komplizierte zu verdichten und zu vereinfachen“, wie er in aller Bescheidenheit sagte. Aber gerade das ist das Schwierigste, das Wesentliche finden, das die gewünschte Aussage trifft und die schlüssige Form darstellt. Es ist Josef Pillhofer gelungen in seinen Arbeiten in Eisen, Bronze, in Stein, Holz und Marmor, aber auch in seinen vielen Zeichnungen, die nicht nur Entwurfsskizzen sondern eigenständige Kunstwerke sind, diese Form der Abstraktion zu erzielen. Wobei er bei jedem Werkstück die je „richtige“ Verdichtung der Form fand. So hat beispielsweise eine Figur eine andere Einfachheit wie die Portalwand der Pfarrkirche in Liesing. Dieses meisterliche und – fast möchte ich sagen philosophische – Umgehen mit dem jeweiligen Thema, hat ihn einerseits zu einem Einzelgänger gemacht, aber auch zu einem der ganz wenigen österreichischen Bildhauer, die lebenslang Neues zu entdecken bereit waren und die sich auch vor Änderungen nicht scheuten, weil sie künstlerisch notwendig waren. Josef Pillhofer hat seit den 1950er Jahren ausgestellt, bei Würthle und Welz und immer wieder in der Galerie Chobot, in der Albertina und im Belvedere, aber auch in Paris, Tokio und New York, und zweimal war er Vertreter Österreichs auf der Biennale in Venedig. Ehrungen wurden ihm zuteil, Würdigungen und Orden. Es freute ihn, aber wenn man ihn auf seine Bedeutung ansprach, setzte er sein liebenswürdiges Lächeln auf und meinte, dass das alles nicht so wichtig sei, wenn er nur noch arbeiten könne. Er wollte für seine Ausstellung im Künstlerhaus 2011 noch Arbeiten in Stein schaffen – das ist ihm nicht mehr gelungen. So wird diese Ausstellung zu einem Gedenken an einen der ganz Grossen Österreichs, an einen, den die Umsetzung von Ideen, aber auch der Realität in ein künstlerisches Ereignis, zutiefst beschäftigte, und der zeitlebens auf der Suche nach der jeweils „richtigen“ Form war.

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