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Nicky Hopkins

He never will forget at all The day he played at the Albert Hall. A million sessions ago it seems. He’s a session man, A chord progression, A top musician. Das ist die erste Strophe von „Session Man“, erschienen auf „Face To Face“, der 1966er LP der Kinks. Es hält sich das Gerücht, dass mit dem Studiomusiker, der hier besungen wird, Nicky Hopkins gemeint ist, und er hat der nostalgischen Nummer jedenfalls die Cembalo-Einleitung verpasst. So hat er teilgenommen an der Hymne, die es mit Zeilen wie „He’s not paid to think, just play“ oder „Playing at a different studio every day“ nicht unbedingt emphatisch meint mit seinesgleichen. Nicky Hopkins hat die drei zentralen Platten der Kinks auf Klavier, E-Piano oder Mellotron begleitet (darunter deren größte und zu ihrer Entstehungszeit meistunterschätzte überhaupt, „Village Green Preservation Society“, die es auf sage und schreibe Platz 97 der englischen LP-Charts brachte); Hopkins ist bei der besten Platte der Who eingestiegen, bei „Who’s Next“, wo er vor allem Townshends hypnotischen Gesang in „The Song Is Over“, wie sagt man: kongenial, aufnimmt; Hopkins hat die Rolling Stones zwischen „Beggars Banquet“ und „Black And Blue“ unterstützt und vor allem deren einzige richtige Klavier-Nummer (und gleichzeitig mit Abstand bestes Lied) „Sympathy For The Devil“ geprägt; und er hat einmal bei den Beatles mitgemacht und „Revolution“ mit dem neurotischen Boogie-Solo auf dem E-Piano ausgestattet (obwohl er immer am liebsten auf dem Flügel gespielt hat, und das, liebe Freunde vor Ort, am allerliebsten auf einem Bösendorfer). Nicky Hopkins, Jahrgang 1944, hat es nie zu einer ganz großen Nummer gebracht. Er wurde zur rechten Zeit erwachsen, als die Sixties und die Kompliziertheiten von Psyche und Pop um sich griffen, und so war er zur Stelle, als die Bands ihre Lieder nicht mehr allein spielen konnten; doch sowohl die Technik, die ihn bei Konzerten immer an den Rand rückte, um die Rückkopplungen zu vermeiden, die seine akustischen Instrumente stets begleiteten, als auch seine mentale und körperliche Zerbrechlichkeit verhinderten, dass er mehr wurde als was man bei Radrennen Domestiken oder Wasserträger nennt. Erwähnt wurde er selten auf den Album-Covers, einzig die Stones gaben der Wahrheit die Ehre (so auf „Beggars Banquet“: „We are deeply indepted to Nicky Hopkins“). Er hat mit Joe Cocker „You Are So Beautiful“ eingespielt, mit John Lennon „Jealous Guy“ und besonders stolz war er, als Fats Domino ihm sagte, er sollte genau so spielen, wie er, Fats, selber. Er gehörte der Band von Jeff Beck an, war Mitglied bei Quicksilver Messenger Service, und am Schluss seines 1994 zu Ende gegangenen Lebens musste er sich mit Art Garfunkel herumschlagen. Er holte, wie so viele, die Sechziger in den Siebzigern nach, als er im Drogensumpf versank; vorher hatte er, die Darmkrankheit Morbus Crohn war schuld, von Tee und Keksen gelebt, anschließend war er bei den Scientologen. Er war eine „Rock-Legende“. So steht es im Untertitel der Biografie, die der englische Songwriter Julian Dawson gerade vorgelegt hat. Dawson war es vergönnt, die allerletzte Einspielung von Hopkins zu einem Lied zu machen, das er seither unermüdlich vorträgt. Sein Buch ist selbstverständlich eine Hommage. Und es spricht Bände für den seltsamen Status, den Hopkins immer noch innehat: Das Werk ist bisher nur in deutscher Übersetzung publiziert. Dawson, so steht es auf seiner Homepage, „hofft“ auf eine Originalausgabe im Herbst. Julian Dawson, Nicky Hopkins. Eine Rock-Legende, München: Edition Elke Heidenreich bei C. Bertelsmann, 2010

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