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Rudolf Leopold 1925 - 2010

„Was soll man einmal über Sie sagen“, fragte Barbara Petsch im Februar Rudolf Leopold, anlässlich dessen 85.Geburtstages, „dass ich der wichtigste Sammler war und bewirkt habe, dass Schiele weltbekannt geworden ist“

Das ist aber längst nicht alles, was man über Rudolf Leopold jetzt, nach seinem Tod, sagen wird und was in Erinnerung bleiben wird. „Ich verdanke alles meinem Naturtalent und meiner Sammelleidenschaft“, sagte er anlässlich eines Interviews mit mir. Seine „Sammelleidenschaft“ fing mit Schmetterlingen an und lief über Briefmarken sehr geradlinig zur Kunst. Sein „Naturtalent“, damit meinte er seinen sicheren, und wie er meinte auch unbestechlichen, Blick für Qualität, den er aber dennoch mit einem Kunstgeschichtsstudium schulte. In Erinnerung wird auch bleiben, dass er, kurz nach dem Krieg, Zeichnungen von Egon Schiele, die damals, im Cafe Hawelka beispielsweise, für wenig Geld als Pornografie angeboten wurden, als außerordentliche Kunst erkannte. Dass Schieles Werk zu internationaler Anerkennung kam und heute gigantische Auktionspreise erzielt, ist tatsächlich sein größtes Verdienst. Es war aber nicht nur Schiele, den er sammelte, sondern Gustav Klimt und Oskar Kokoschka, Richard Gerstl, Herbert Boeckl und Künstler des Nötscher Kreises, u.a. Anton Kolig und Anton Wiegele. Sein Interesse galt auch dem Design von Kolo Moser und Josef Hofmann, gotischen Skulpturen und Kunst aus Asien und Afrika. Aber wenn das auch so klingen mag, als wäre hier höchst Unterschiedliches zusammengetragen, so gilt doch bei allem, was Leopolds Interesse weckte, höchste Qualität und Originalität. Die Harmonie von Inhalt und Form war für ihn kein Schlagwort sondern Voraussetzung, um ein Bild oder Objekt für die Sammlung zu erwerben. Seit das Museum Leopold 2001eröffnet wurde, und immerhin eines der meistbesuchten Häuser in Österreich ist, wurde von Leopold, getreu dem Motto der „wichtigste Sammler“ zu sein, allerlei weitere Kunst von Zeitgenossen gekauft und Ausstellungen organisiert. Manchmal wunderte man sich als Kunstkritikerin dann schon. Und Kritik hielt Rudolf Leopold nicht gut aus.

Neben all den unbestrittenen Leistungen, dem Verständnis für die Sammelleidenschaft und der Anerkennung seiner kunsthistorischen, ja sogar seiner restauratorischen Kenntnisse, denn nicht nur sein Auge schulte er, sondern auch sein malerisch-technisches Wissen, werden aber leider auch weniger bewunderungswürdige Dinge in Erinnerung bleiben. Das sind die ungeklärten Restitutionsfragen, denen er beharrlich auswich und sich auf den privaten Charakter seines Museums berief, das so privat aber nicht sein kann, wenn Österreich mit öffentlichem Geld, also Steuergeld, immerhin 2 Milliarden dafür zahlte und das Museum errichtete (und erhält). Aber das sind juristische Fragen, die zwar im Raum stehen, aber nicht den Tenor eines Nachrufes ausmachen sollen. Denn diese Fragen müssen auch nach seinem Tod geklärt werden. Wobei es wieder einmal auffällt wie zögerlich die österreichische Politik mit der nazistischen Vergangenheit umgeht.

Erinnern wird man sich an Leopold aber auch, weil er die österreichische Kunst ganz allgemein im internationalen Kontext weit unter ihrem Wert be- und geachtet fand: „Ich finde, dass die Österreicher diejenigen sind, die ihr eigenes Licht unter den Scheffel stellen, während die meisten anderen Länder zuerst mal ihre eigenen Künstler hoch schätzen.“ Rudolf Leopold verstand sein Museum durchaus als österreichisches Museum. Seine Sammlertätigkeit war wie eine Botschaft, um aufzuzeigen, welch großartige Künstler Österreich hatte und hat. Seine eigene Begeisterung wollte er an das Publikum weitergeben und mit seinen Ausstellungen und seinen Texten, die hohe Qualität der österreichischen Kunst und Künstler verstärkt ins öffentliche Bewusstsein heben.

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