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Angewandte Kunst

„TransArts“ ist in der Lingua Franca der Gegenwart, dem schlechten Englisch, ein neues Angebot überschrieben, sich mit Kunst qua Ausbildung ins Benehmen zu setzen. Die Wiener Universität für Angewandte Kunst hat zur Propagierung dieser Idee gleich ganze Tageszeitungsseiten in Anspruch genommen und großformatig für sie geworben. Die Stelle, die Erwin Wurm nicht mehr nötig hat, soll, so ist zu hören, dafür umgewidmet werden, statt einer Professorenperson, die eine Klasse mit dem Nimbus des Meisters leitet, werden es deren bis zu 15 sein, die sich in die paradoxe Aufgabe teilen, einen Kunstbegriff im Kollektivsingular weiterzutragen. Das Mantra der universitären Gegenwart, „Bachelor/Master“, wird das neue Studium dann so etwas wie beräuchern. Der Plan folgt der völlig berechtigten Einsicht, dass in einer Zeit, in der Kunst alles beinhalten kann, wenn man nur bereit ist, das jeweils Gebotene zu akzeptieren, Künstler sein nichts anderes heißt als Generalist sein. Spezialistenausbildung ist gerade keine Kunstausbildung. Sich dem Generalisten zu verschreiben ist damit tatsächlich die oberste Prämisse. Auch Generalisten brauchen ihre Kompetenzen,: Ein Generalist hat sich von den angestammten Signaturen von Künstlertum emanzipiert; ein Generalist ist weniger genial als gut ausgebildet; ein Generalist verbietet sich den Bürgerschreck, dafür hat er Manieren; ein Generalist weiß weniger um die Handhabung der alten Arbeitgeräte wie Pinsel, Spachtel, Druckerpresse als um die Möglichkeiten, Herstellungsprozesse zu delegieren; ein Generalist ist in der Lage, seine Ideen zu artikulieren, zu kommunizieren und, als Nonplusultra, zu realisieren. Die Kompetenzen des Generalisten sind entsprechend Denkfähigkeiten, Sprachfähigkeiten, Wissen und Bildung; sie liefern den Fond, vor dem sich klären kann, was als Kunst durchsetzbar und vermittelbar ist. Kunst in der Gegenwart ist, mit dem schönen Wort von Jacques Derrida, eine Aufpfropfung. Kunst hat keine phänomenalen oder gar wesenhaften Qualitäten, sondern legt sich als Wahrnehmungshaltung, als Bereitschaft zu einer speziellen Sinngebung, als Medium der Besonderung über die Dinge. Entsprechend müsste sich auch eine zeitgemäße Kunstausbildung aufpfropfen. Auch sie greift in bestehende Dinge, in Strukturen und Institutionen ein, weniger, um sie dabei in ihrer Gegebenheit zu verändern, als um sie von einer anderen Warte her zu beobachten. Entsprechend sieht die neue Ausbildungsform den „Zugang zu sämtlichen Lehrveranstaltungen der Universität“ vor. „Transdisziplinarität, Offenheit und Flexibilität“, so steht es im Inserat der Angewandten, werden gefordert und gefördert, und das ist alles gut und schön. Der einzige Generalist allerdings, den diese Öffentlichkeitsarbeit erkennen lässt, und die einzige Aufpropfung, die bisher stattgefunden hat, sind durchaus altbekannt. Bisher hörten sie auf den Namen PR-Agentur. Da sitzen immer schon die „Kreativen“. Vor diesem Hintergrund wünschen wir dem Programm viel Erfolg.

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