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ART BRUSSELS 2010: Prominenter Zuwachs

Fast ein wenig zu edel und zu glatt wirkt die aktuelle Ausgabe der Art Brussels: Lisson (London), Emanuel Perrotin (Paris) und Hauser & Wirth (London/Zürich) heißen unter anderem die Neuzugänge in den Messehallen am Heysel-Stadion. Das hebt die Qualität und das Preisniveau, geht aber auf Kosten anderer Galerien, die jetzt nicht mehr teilnehmen dürfen – nicht wenige davon aus der jungen Riege Kölns. Doch ist das nicht der einzige Grund: Die demokratische Durchmischung der Segmente wurde aufgegeben zugunsten einer recht rigiden Hierarchie. Dieses Jahr hat man erstmals eine klare Trennung der etablierten Positionen und Galerien vom jungen Programm vollzogen. Der aufgelockerte Konservatismus des alten Hallenplans ist einer strengen Standgeometrie gewichen, die einerseits gleichförmig große längsrechteckige Kojen in der einen und schier endlos gereihte kleine Würfel in der anderen Halle zum Ergebnis hat. Es erstaunt zunächst, dass in einer so strengen Systematik die vulkanbedingten Ausfälle nicht ins Auge springen. Von den gebuchten 171 Galerien sind immerhin sieben irgendwo auf der Strecke von Venezuela, Kuba oder den USA geblieben. Das fällt beim Rundgang sogar eher positiv auf, denn alle Standlücken konnten durch Nachbarn aufgefüllt werden. So hat etwa Nosbaum & Reding aus Luxemburg am Montag kurzerhand seinen Künstler Jens Wolf aus Berlin hat kommen lassen, der eine ganze Wand mit einer geometrisch-dynamischenen Komposition bespielt, die spannungsreich mit der gegenüber hängenden Ferkelei von Damien Deroubaix kontrastiert. Dem wie immer sachkundigen und potenten Publikum vor allem aus Frankreich und Belgien bieten die Aussteller einen Mix, der tendenziell etwas gewagter ist als auf der klassischer orientierten Art Cologne. Allerdings ist das Angebot installativer Arbeiten oder an Videos deutlich geringer als in den letzten Jahren. Ein Stand wie der von Mario Mazzoli aus Berlin etwa mit seinen Klangskulpturen ist eher eine Seltenheit. Bei Erstteilnehmer Volker Diehl aus Berlin und Moskau gibt es eine kojenfüllende Installation mit bewegungsempfindlichen Spiegeln, die dem Besucher zuckend folgen, von rAndom International, die prompt immerhin den zweiten Preis beim Wettbewerb um die beste Soloshow gewinnen konnte. Umsatz kann er allerdings noch keinen vermelden. Damit ist er nicht der einzige am Eröffnungstag. Doch die Belgier lassen sich bekannt viel Zeit mit dem Kaufen, erst recht bei Neulingen. Da kann es schonmal zwei oder drei Teilnahmen dauern, bis es zum ersten Abschluss kommt. Immerhin bleiben die Sammler den Galerien und ihren Künstlern dann treu. In schwierigen Zeiten wie diesen kann das entscheidend sein.
ART BRUSSELS 2010
23 - 26.04.2010

Brussels Expo
1020 Brüssel, Place de Belgique, 1, Halls 1 & 3
Tel: 0032-2-402-36-66
http://www.artbrussels.com


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