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Jahresrückblick...

Diesmal, Blog sei Dank, à point. Mit Neujahrsgruß und lautem Knall. Ausstellungsinstitut des Jahres: Die National Gallery in London. Die ist zwar ein alter Hut und der Verweis auf sie auch. Mit Picasso im Frühjahr und der wunderbaren Ausstellung zur Rivalität von Malerei und Skulptur im spanischen Barock diesen Herbst hat sich die alte Dame doch einmal mehr von ihrer besten Seite gezeigt. Eine perfekte Kollektion umrankt die Spektakel, und, um es noch einmal zu betonen: „The paintings in the National Gallery belong to the public and entrance to see them is free.” Mittelmaß des Jahres: Karl der Kühne im Kunsthistorischen Museum. Die Abteilungen des Hauses scheinen zwar unter neuer Direktion in Reih und Glied gebracht, dass der Harnisch nur so prunkt. Dass es aber nicht gelang, das absolute Muss an einschlägigem Exponat, das Stundenbuch der Maria von Burgund, von der Nationalbibliothek herüber zu transportieren, lässt das Ortsübliche befürchten: das Hackl fürs Kreuz. Aufsteiger des Jahres: Birgit Jürgenssen. Passau wurde nichts, Krems wurde nichts, dafür Sammlung Verbund: Nicht, dass der Weg, den die momentane Ausstellung von Birgit Jürgenssen genommen hat, wirklich zum Zenith geführt hätte. Doch gibt es seit kurzem eine umfangreiche Publikation zu ihrem Leben und Werk, die hoffen lässt, dass die Stadt und das Land endlich erkennen, was sie an dieser viel zu früh verstorbenen Künstlerin haben und verloren haben. Künstler des Jahres: John Baldessari. Der Altmeister hat mit einer großen und weiten Retrospektive in der Londoner Tate Modern alles, was es von Pop Life bis Ed Ruscha sonst gerade noch gab, in den Schatten gestellt: Mit seinem Witz, seiner Ironie und seiner konzeptuell gut gefütterten Bedeutung. Ausstellung des Jahres in einem öffentlichen Forum: Houdon. Gerade ist Max Hollein für weitere fünf Jahre als Direktor des Frankfurter Museumskonglomerats bestätigt worden; vor zwei Wochen schon hat die Botticelli-Ausstellung des Städel seinen 100.000. Besucher begrüßt. Was am Main indes das Highlight setzt, ist die feine und kleine Präsentation von Skulpturen Jean-Antoine Houdons und seiner Zeitgenossen im dritten von Holleins Foren, dem Liebieghaus. Ausstellung des Jahres in einer Galerie: Curated By, die konzertierte Aktion des Wiener Gegenwartskunsthandels anlässlich der Vienna Art Fair: fünf Kuratoren, vier Projekte, 43 Künstler auf 18 Galerien verteilt. Was herauskommt, wenn einige Damen und Herren kurz vorbeischauen, die Räume so etwas wie inspizieren, Namen auswählen und sich den seriösen Anschein geben, das Präsentierte wäre passend zu Programm und Position der Galerie. Aber alle ließen sie gewähren und zogen mithin an einem Strang. Flop des Jahres: Thomas Demand im Mumok. Man muss dem Meister keine Eröffnungsschau im neu übernommenen Haus von Weltrang einräumen, wie es Udo Kittelmann in der Neuen Nationalgalerie in Berlin getan hat. Man muss den Meister auch überhaupt nicht ausstellen. Zehn Bildchen in Keller sind aber auch keine Präsentation, die irgendetwas mit Thomas Demand zu tun hätte. Kurator des Jahres: Robert Fleck. Der hat sich in den letzten Jahren gern einmal peinlich aufgeführt und zwischen Opposition und Opportunismus heftig laviert. Jetzt hat Fleck die Bonner Kunst- und Ausstellungshalle übernommen. Markus Lüpertz wird gerade gegeben, und soviel gute Präsentation auf einmal gab es dort womöglich noch nie.

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