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Kleine Brötchen

Der deutsche Auktionsmarkt bleibt von der allgemeinen Zurückhaltung nicht verschont. Das macht sich besonders bei den Einlieferungen von Kunst ab der Klassischen Moderne bemerkbar. Kettererkunst, die mit der gesamten Abwicklung auch die Auktionen aus Hamburg bis auf die Bücher komplett ins neue Münchener Stammhaus zurückgeholt haben, passen sich zu ihrer Auktion am 28./29. April den Marktgegebenheiten an. Von Alten Meistern bis zur Modernen Kunst gibt es nur noch einen Katalog mit 723 Nummern. Das am höchsten vorbewertete Werk ist mit 40.000 bis 60.000 Euro eine etwas düstere Landschaft aus dem 19. Jahrhundert von Jean-Baptiste Camille Corot (Lot 84). Mit einem ungewohnt humorigen Bild wartet die kleine Carl Hofer-Strecke auf: eine etwas vekaterte Chimäre blickt den Betrachter aus schwarzen Augenhöhlen an, Schätzpreis 8.000 bis 12.000 Euro (Lot 422). Auch bei den Zeitgenossen machen sich die teuren Objekte rar. Eine große Leinwand des Österreichers Markus Prachensky (Lot 960) gehört mit einem erwarteten Erlös zwischen 35.000 und 45.000 Euro zu den größten Hoffnungsträgern. Ein kleines Punktbild von Almir da Silva Mavignier (Lot 914) von 1972 könnte mit einer Taxe von 6.000 bis 8.000 Euro jedoch noch für eine Überraschung sorgen. Bei Nagel in Stuttgart backt man am 21. April mit 776 etwas kleinere Brötchen. Selbst bei den „Ausgewählten Werken“ beginnen die Schätzpreise im dreistelligen Bereich. Immerhin sind auch einige interessante Werke mit fünfstelligen, allerdings teilweise recht ambitionierten, Taxen zu finden. So soll eine unbetitelte Komposition von Adolf Fleischmann aus dem Jahr 1962 15.000 Euro kosten und damit genauso viel wie ein vergleichbares Werk mit doppelter Kantenlänge bei Villa Grisebach im Jahr 2006. Toplos soll die im letzten Mai bei Lempertz mit 55.000 bis 65.000 Euro wohl etwas zu hoch angesetzte „Landschaft bei Sorrent“ von Hans Purrmann (Lot 784) sein, die von den Stuttgartern jetzt für 40.000 Euro angeboten wird. 28.000 Euro soll eines der „War Cut“-Bücher von Gerhard Richter (Lot 789) kosten, zu denen er eine 50er-Edition mit Umschlägen in Öl gestaltet hatte. Während bei den Zeitgenossen-Versteigerern also zur Zeit Schmalhans Küchenmeister ist, hat das Angebot von Schloss Ahlden am 1./2. Mai mit Schwerpunkt Silber und Porzellan kaum Abstriche zu verzeichnen. Mit einem um 1743 entstandenen Meißener „Freimaurer“ (Lot 802) hat man sogar einen einen ausgesprochenen Hochkaräter im Programm, der immerhin 68.000 Euro bringen soll. Und wer sein Bargeld partout in Sicherheit bringen möchte, kann 220.000 Euro in einen knapp elfcarätigen Diamantring investieren. Bei von Zezschwitz in München begeht man die 50. Auktion am 21. April mit einem Sonderkatalog „100 Meisterstücke“ aus allen Sparten. Bei den Gemälden sind die Taxen oft etwas hoch gegriffen. Ein Preis von 130.000 Euro dürfte für „Steinbruch in den Vogesen“ von Otto Dix aus dem Jahr 1945 (Lot 1046) gerade in der aktuellen Situation nur schwer zu erzielen sein. Extrem selten und daher kaum vorzubewerten ist hingegen ein Exemplar des „Mand-Olbrich“-Salonflügels in der zweiten Version, für den 100.000 Euro aufgerufen werden. Neben Glas- und anderen Objekten des Jugendstil bietet Quittenmbaum eine Woche später ebenfalls in München auch einen Satz eigenwilliger Art Dèco-Möbel aus Italien an (Lots 763-675) sowie ein „Spielzimmer“ von Alfred Grenander, für das 15.000 Euro erwartet werden.

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