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Best of Austria - Eine Kunstsammlung: Ranking ohne Hierarchie

Es soll doch etwas Besonderes sein, wenn das einzige Museum für zeitgenössische Kunst in Linz, der Kulturhauptstadt Europas 2009, eine Ausstellung zeigt. Naheliegend wäre es gewesen aus den beachtlichen Sammlungsbeständen auszuwählen und mit einigen ergänzenden Leihgaben eine höchst respektable Ausstellung zu machen, mit durchaus europäischem und international hohem Niveau. Aber Stella Rollig fiel für das LENTOS etwas Anderes ein, sie wollte nicht nur die eigene Sammlung präsentieren, sondern gleich das „Best of Austria“ suchen. Die Originalität der Ausstellung und ihre Einzigartigkeit ist die Auswahl der Objekte: Stella Rollig hat dies nämlich den Direktoren und Kuratoren von insgesamt dreißig österreichischen Museen und Sammlungen selbst überlassen. Es sollten je drei Werke ausgewählt werden und es waren nicht die Highlights gefragt, sondern die persönlichen Vorlieben der Verantwortlichen. Schließlich entstand eine Art „Wunderkammer“ mit den unterschiedlichsten Themen, Zeiten und Stilen. Eine Ausstellung mit Brüchen und Überraschungen, eine Sammlung vergleichbar vielleicht mit Malraux’s imaginärem Museum, verpflichtet nur der je eigenen Vorliebe. Das 15. Jahrhundert trifft sich mit dem 21., das Kleinobjekt mit der großen Leinwand und die Ausstellung ist im Grunde das, was sich im eigenen Kopf abspielt, wenn wir an Kunst denken. Da geht es ja auch nicht chronologisch zu, da fällt einem der Isenheimer Altar ein und gleich danach ein Graffiti von Keith Haring und plötzlich entdeckt man die Sprunghaftigkeit der eigenen Erinnerung, die eben gerade nicht wie ein roter Faden und schon gar nicht objektiv korrekt abläuft, sondern die springt und hüpft, die ungeniert Zeiten nebeneinander setzt und keine Rücksicht nimmt auf kunsthistorische Begriffe und den Bildungsanspruch von hehrer Kunst, oder Ehrfurcht vor dem Genie. Die hundert Werke, die da stehen, hängen und liegen bringen den Besucher zum nachdenken, aber auch zum schmunzeln. Der Reiz der Auswahl wird unterstützt durch die raffinierte Ausstellungsarchitektur von Golmar Kempinger-Khatibi, die es verstanden hat, die 800 m² Halle mit Wandelementen und Sockeln so geschickt zu gliedern, dass stets neue Räume entstehen. Mit Durchblicken und Einsichten gibt sie den einzelnen Objekten Platz und macht die Besucher neugierig auf den nächsten Raum und die nächste Werkgruppe, ohne dass der Überblick verloren geht. „Best of Austria“ ist ein so anspruchsvoller wie ironischer Titel und Widerspruch und Zustimmung werden sich die Waage halten. Aber das Bemerkenswerte an dieser Ausstellung ist, dass sie Fragen stellt, auch und gerade nach der Seriosität von Rankings aller Art und nach der Objektivität von kunsthistorischen Behauptungen. Durch die höchst subjektive Auswahl versteht man plötzlich, dass Kunst nicht fürs Museum geschaffen wurde, sondern für Menschen, die mit den Bildern und Objekten leben, im festlichen, repräsentativen oder religiösen Rahmen, aber auch im privaten. So wird dieses „Best of Austria“ auch zu einer persönlichen Begegnung des Besuchers mit Kunst, als wären es Bilder und Objekte aus seinem eigenen Lebensbereich. Denn das Außergewöhnliche dieser „Kunstsammlung“ ist ja gerade, wie Rainer Metzger in seinem Katalogtext schreibt, ihre „bunte Hierarchielosigkeit“, die es möglich macht, die je eigene Hierarchie, oder die persönlichen Lieblingsobjekte zu entdecken und sich vielleicht auch manchmal über die Auswahlkriterien der Sammlungsleiter zu wundern.
Best of Austria - Eine Kunstsammlung
02.01 - 10.05.2009

Lentos Kunstmuseum Linz
4020 Linz, Ernst-Koref-Promendade 1
Tel: +43 70 7070 36 00
Email: info@lentos.at
http://www.lentos.at
Öffnungszeiten: täglich außer Mo 10-18 Uhr, Do 10-21 Uhr


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