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Überschreitung des Raumes

Zur Publikation des Buches „UNDISZIPLINIERT / UNDISCIPLINED. Das Phänomen Raum in Kunst, Architektur und Design“, erschienen im Rahmen der gleichnamigen Ausstellung (11.09. – 11.10.2008, Kunsthalle Exnergasse) Die Formierung des Displays in Kunstinstitutionen verlangt eine gestalterische Anordnung, die oftmals die Bedeutung der einzelnen Kunstwerke in ihrer thematischen Konzeption überschreitet. Welche Wirkung erzielen Kunstwerke in einer Gruppenausstellung, die kuratorisch vermittelt und in einer spezifischen räumlichen Konstellation gesetzt werden? Diese Metaebene des räumlichen Displays, das Ausstellungen a priori als Kombinatorik von künstlerischem Inhalt, architektonischer Gestaltung und designerischen Eingriffen versteht, hinterfragt die Ausstellung Undiszipliniert in der Kunsthalle Exnergasse. Der Raum als Modell künstlerischer Praxis diente als Grundlage des Ausstellungskonzeptes von Doris Krüger und Walter Pardeller. Gemäß einer architektonischen Herangehensweise bekamen die sieben eingeladenen KünstlerInnenpositionen ein Modell der Kunsthalle Exnergasse, das als visuelles Vokabular und Grundlage der räumlichen Eingriffe diente. Versatzstücke aus unterschiedlichen Materialien wurden schließlich als Objekte im Raum platziert, die als prothesenartige Gebilde gewohnte Objektmodule symbolisieren, dem Titel der Ausstellung entsprechend jedoch als verfremdete Elemente eine neue Raumaxiomatik generieren. Eines der virulenten Momente in dieser Ausstellung ist die gleichzeitige Präsenz und Absenz von Material im Raum, das Form und Bedeutung von architektonischen, künstlerischen und ästhetischen Belangen miteinander verbindet. So gilt es etwa bei Nicole Six & Paul Petritsch, den Raum als architektonische Hülle künstlerischer Repräsentation offen zu legen, was das Künstlerduo dazu veranlasste, mit einem Jagdgewehr durch den Raum zu schießen und durch die letztendlich kaum wahrnehmbaren Einschusslöcher Fragen nach der Reinheit bzw. Diszipliniertheit im Umgang mit White Cube Situationen zu stellen. Auch die übrigen Positionen stellen Fragen nach der architektonischen Beschaffenheit und urbanistischen bzw. sozialen Bedeutungsveränderung etwa von Sozialbauten der 1950er (Gregor Neuerer), der Autoindustrie (Andreas Fogarasi) oder des Recyclings von auf der Straße gefundenen Gegenständen (Martino Gamper). Die Ausstellung bildet somit eine gelungene Synthese aus dem, was Material in der Architektur sein kann, darf bzw. muss und welcher kulturelle Transfer durch räumliche und zeitliche Veränderungen und deren künstlerischen Reflexion entsteht.

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