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Mateo Maté - Paisajes Uniformados: Kunst und Tarnung

Als Picasso einst in Paris eine damals neuartige mit Tarnmuster versehene Kanone betrachtete, meinte er: „Das waren wir, die dies geschaffen haben!“ Im Gegensatz zu Franz Marc, entwarf er zwar kein Camouflagemuster fürs Militär, sein spontaner Ausruf bekräftigt allerdings, wie eng die Geburtsstunde der modernen Camouflage mit der modernen Kunst verbunden ist. Die Auflösung des Gegenständlichen ins Abstrakte, das sich seinen Weg von der bildenden Kunst in die Militärtechnologie bahnte, machte Maler – aus welchen Gründen auch immer – zu Produzenten von militärischem Material. Wenn nun Mateo Maté in seiner Serie „Paisajes Uniformados“ (uniformierte Landschaften) Fotografien von Landschaftsmalereien des 19. Jahrhunderts mit Tarnmustern unterschiedlichster Einheiten versieht, verweist er auf eben diesen Zusammenhang. Patterns wie jene des österreichischen Bundesheers, der Jordanischen oder Britischen Armee fügt er nahtlos in landschaftliche Details von Corots vorimpressionistischer „Brücke bei Narni“ ein. Gemälde des in Spanien lebenden Impressionisten Carlos de Haes bilden die Folie für weitere Arbeiten bei Insam. „In einem Akt der Gerechtigkeit“ gäbe der Künstler der Kunst das zurück, „was aus ihr entlehnt wurde“, heißt es pathetisch im Pressetext zur Ausstellung. Von moralischen Beweggründen scheinen Matés Arbeiten vorderhand allerdings nicht motiviert zu sein. Vielmehr kommt die Betrachtung seiner Bilder einer heitere Spurensuche gleich, die dann im doch recht naiven Erstaunen darüber gipfelt, wie gut doch das Muster der Russischen Airforce als Wolkenhimmel passt. Sicherlich spielen die Arbeiten entfernt auf Themen wie Nationalismus und territoriale Machtausdehnung an. Sicherlich hinterfragt Maté durch seine Art der Bildmanipulation die Mythen und Metaphern, die sich mit der traditionellen Landschaftsmalerei verknüpfen. Und dennoch ist sein Umgang mit militärischem Formvokabular ein zu spielerischer, als dass sich tatsächliche Kritik an Machtsystemen herauslesen ließe. Die gemütliche Sofalandschaft im Camouflagelook fügt sich dementsprechend problemlos in das Gesamtsetting ein. Im Ohrensessel versunken, darf man dann auch ganz wertfrei über Matés Persiflage auf den US-Kriegsfilm „Patton – Rebell in Uniform“ schmunzeln, in dem man alles über die Zubereitung des traditionellen „Thanksgiving Turkeys“ erfährt.
Mehr Texte von Manisha Jothady

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Mateo Maté - Paisajes Uniformados
21.11 - 20.12.2008

Galerie Grita Insam
1010 Wien, An der Hülben 3
Tel: + 43 1 512 53 30, Fax: +43 1 512 5330 15
Öffnungszeiten: geschlossen


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