Werbung
,

Ken Lum - Shopkeepers Rorschach: Gespiegelte Reflexionen

Ken Lum, kanadischer Künstler mit bemerkenswertem internationalen Erfolg, zeigt derzeit seine jüngsten Arbeiten in der Wiener Galerie Grita Insam. Unter dem Titel „Shopkeeper’s Rorschach“ präsentiert er großformatige Giclée Prints auf Leinwand, die gespiegelte Werbeschilder von chinesischen Fastfood Restaurants, Pizzahäusern oder Reifenfirmen darstellen. Dabei wählt Lum nicht große Labels wie McDonald’s oder Coca Cola, sondern orientiert sich an Werbesujets lokaler Betriebe, die ihm bei seinen Reisen rund um die Welt begegnen. Mit dieser auch klassenspezifischen Motivwahl bleibt Lum seinen Wurzeln treu, entstammt er doch einer chinesischen Einwandererfamilie, die sich ihren sozialen Aufstieg im kanadischen Vancouver mühsam erarbeiten musste. Der öffentliche Raum mit seinen unterschiedlichen Populationen, seien es nun Menschen oder visuelle Codes, hat Lum immer schon interessiert. 2000/1 zeigt er in Wien an der Rückseite der Kunsthalle am Karlsplatz auf große Plastikplanen gedruckte Fotografien von Menschen unterschiedlicher ethnischer und sozialer Herkunft, denen bestimmte Sätze zugeordnet wurden, wie: „Go back to where you come from! Why don’t you go home?“ Die Sätze waren beliebig austauschbar und konnten in Gegensatz zu der abgebildeten Person treten oder ihren Habitus unterstreichen. Lum thematisierte in dieser Arbeit die Fragwürdigkeit des Begriffs Heimat an einem neuralgischen Punkt im öffentlichen Raum einer Großstadt. Nun, 2008, transportiert er gesehene Öffentlichkeit – Werbeschilder – in künstlerisch verfremdete Drucke und stellt sie im Kunstkontext einer privaten Galerie aus. Während der Text in der Arbeit von 2000/1 noch eine tragende Rolle spielt, scheint er bei den „Shopkeeper’s“-Arbeiten nur noch marginalisiert. Die Texte der abgedruckten Schilder sind durch die Spiegelung kaum mehr entzifferbar. „The Palace Boots Shoes“ werden hier zu „Pai Bo Sh“. Dabei stellt sich die Frage, ob Sprache hier in ihrer Erkenntnisform überhaupt noch relevant ist. Weiter verfremdet er die Darstellung, indem er sie einem tiefenpsychologischen Verfahren unterwirft, dem Rorschachtest. Bei diesem Test muss der Patient das „Spiegelbild“ einer selbst gemalten freien Form durch Zusammenklappen des Blattes herstellen und das Endprodukt interpretieren. Aus dieser Interpretation zieht der Arzt Rückschlüsse auf das Seelenleben des Patienten. Heute ist diese Methode medizinisch umstritten. Interessant ist, dass sie zur Zeit des Surrealismus entstand, als freies unbewusstes Assoziieren modern wurde. Will uns also Ken Lum eine „irritierende Methode vor Augen halten“ und unsere Gedanken zum freien Assoziieren ermutigen? Oder sind seine Arbeiten Zitate einer globalisierten Öffentlichkeit, deren (Werbe)codes so vielfältig sind, dass wir sie nicht mehr differenzieren können?
Ken Lum - Shopkeepers Rorschach
09.05 - 04.07.2008

Galerie Grita Insam
1010 Wien, An der Hülben 3
Tel: + 43 1 512 53 30, Fax: +43 1 512 5330 15
Öffnungszeiten: geschlossen


Ihre Meinung

Noch kein Posting in diesem Forum

Das artmagazine bietet allen LeserInnen die Möglichkeit, ihre Meinung zu Artikeln, Ausstellungen und Themen abzugeben. Das artmagazine übernimmt keine Verantwortung für den Inhalt der abgegebenen Meinungen, behält sich aber vor, Beiträge die gegen geltendes Recht verstoßen oder grob unsachlich oder moralisch bedenklich sind, nach eigenem Ermessen zu löschen.

© 2000 - 2023 artmagazine Kunst-Informationsgesellschaft m.b.H.

Bezahlte Anzeige
Bezahlte Anzeige
Gefördert durch: