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Die gottesverehrende Kultur.

"Wo Kultur von der Gottesverehrung abgekoppelt wird, erstarrt der Kult im Ritualismus, und die Kultur entartet". Primär ist das jetzt kein Witz, sondern ein Satz aus einer Predigt vom Kölner Erzbischof Meisner. Das ist derjenige mit den islamkompatiblen weil ungegenständlichen Kirchenfenstern von Gerhard Richter. Jetzt ist es zugegebener Maßen heikel, einen Satz aus einer Predigt herauszuklamüsern. Aber dieser ist schon ein ganz besonderes dummdreistes Exemplar. Nehmen wir doch einmal an, dass Religion Teil der Kultur ist. Dann dokumentiert jeder Gottesdienst, jedes religiöse Fest mit all dem dazugehörigen Ritualisierungswahn eine deklarierte abgekoppelte Gottesverehrung. Im Gedankenumdrehen ist dann die Karwoche entartet, Weihnachten ein Entartungsfest der Liebe und die Kommunion eine freiwillig auf der Zunge zergehende Primärentartung. Meisner, Meisner was wird dein Benedikt zu all dem sagen. Und jetzt erst die anderen Kultursparten an sich und all die daraus resultierenden möglichen Entartungsfragen. Die Musik von Mozart. Gottesverehrung oder entartet? Das Guggenheimmuseum, die Dramen von Bodo Strauß, die Filme von Bunuel, das Parfum von Patrick Süßkind. Gottesverehrung oder entartet? Haben z.B. Picasso, Beckmann, Grosz ihre Gottesverehrung so geschickt verborgen, dass sie entartete Kunst produziert haben? Ach so stimmt, die waren ja bereits einmal entartet. Dieser Meisner - wie der das vergangene Übel auf seinen scheuklapprigen Kulturstandpunkt bringt. Einfach genial - muss man schon neidlos anerkennen. Und wie er sich sofort auf ein Missverständnis hinausredet und gleichzeitig jede Kritik als ideologisch zurückweist. Wo doch die Kirche samt ihren Vertretern völlig ideologiefrei ist oder was. Ob unser Kardinal die Meisnerische zum Ritual verkommene Kultur wieder entartisiert? Möge ihm seine Gottesverehrung ein Lichtlein zeigen.

Ihre Meinung

5 Postings in diesem Forum
Hyperventilation
Ingeborg Knaipp | 24.09.2007 06:01 | antworten
Kardinal Meisner hat gesagt: "Dort, wo die Kultur vom Kultus, von der Gottesverehrung abgekoppelt wird, erstarrt der Kultus im Ritualismus, und die Kultur entartet. Sie verliert ihre Mitte." Damit könnte er sich auf Hans Sedlmayrs „Verlust der Mitte“ bezogen haben, ein Buch, das bekanntermaßen einen schlechten Ruf hat. In der selben Rede sprach der Kardinal auch vom Menschenbild, das in der aktuellen Kunst sehr einseitig, nämlich ohne sakrale Dimension thematisiert würde. Da sprach die Kirche, die sich für maßgeblich in sämtlichen Menschheitsfragen wähnt, ein großes Wort gegen die Konkurrenz von der Kunstreligion. – Auch diese hat ihre Priester, ihre Dogmen, ihre Ketzergerichte und ihre Rituale und witterte eine Störung im Geschäft der Sinn- und Ideologieproduktion. Herr Lang ist als Kunstprediger übrigens nicht im Rang eines Kardinals, sondern nur ein Katechet auf Ecstasy. Bei den Worten des Kardinals handelt es sich lediglich um eine Meinungsäußerung, mehr nicht. Es steht nicht die Gründung einer katholischen Reichskunstkammer bevor, und es werden auch nicht Ikonoklasten aus dem erzbischöflichen Palais die Galerie Lang erstürmen und dort ein paar Mickymäuse zerstören. (Katholiken sind schließlich keine Puritaner.) Der Glaubwürdigkeit seiner Kulturexpertise erweist Lang mit seiner Glosse wie immer keinen Dienst. Sprachliche Entgleisungen wie „scheuklapprig“, „Gedankenumdrehen“, „entartisieren“ etc. sind nicht entartet, sondern nur unkultiviert. Bodo Strauß heißt übrigens Botho und hat schon etliche gegen ihn gerichtete hysterische Antifa-Erregungen überstanden. Ich erinnere nur an den „Anschwellenden Bocksgesang“ Was ihn in eine Reihe mit dem Philologen, Theologen, Schriftsteller und Drehbuchautor („Monaco Franze“) Süßkind, der übrigens Süskind heißt und dem Surrealisten und Antiklerikalen Bunuel bringt, wäre erhellend. Vielleicht ist die Aufzählung aber auch reiner Zufall.
der herr sei uns gnädig!
ingrid reichel | 24.09.2007 07:13 | antworten
Es ist gut, dass sie das zitat richtiggestellt haben, sonst hätte man doch glatt etwas missverstehen können... nur was? und es ist gut zu wissen, dass man süskind nicht mit scharfem s schreibt...und botho nicht mit d. die lehrstunde war gratis, oder gar umsonst... was diese herrschaften (süskind, bunuel und strauß)gemein haben? tja, wahrscheinlich das was man unter von gottesverehrung abgekoppelter kultur versteht. ob in der galerie lang mickeymäuse ausgestellt sind? und ob es eine katholische reichskunstkammer gibt? jedenfalls würden ikonoklasten kaum mickeymäuse zerstören. und dass katholiken keine puritaner seien, kann man als aussage so nicht gelten lassen. und wahrscheinlich ist es nur eine weiter meinung des kardinals wenn er in seinem bedauern über das missverständnis um das wort entartet eine weitere beleidigung von sich gibt und von "Pervertierung" des Menschen, wenn er seine "Identifikation auf Gott hin vergisst und dadurch zum Ohne-Gott oder gar zum Antigott wird, wie wir es in der Geschichte des 20. Jahrhunderts in Europa in grausamster Weise erleben mussten" spricht. alles nur meinungen, GOTT sei dank!
Rauchdreher
Jolanda Florimante | 24.09.2007 06:59 | antworten
Wenn die Gottesverehrung die Suche nach der Liebe im Gespräch ist, findet sie an allen möglichen Orten en arte statt, vorausgesetzt, die Gabe der Sprache spräche kreativ?
Hyperventilation
Ingeborg Knaipp | 24.09.2007 10:52 | antworten
Kardinal Meisner hat gesagt: "Dort, wo die Kultur vom Kultus, von der Gottesverehrung abgekoppelt wird, erstarrt der Kultus im Ritualismus, und die Kultur entartet. Sie verliert ihre Mitte." Damit könnte er sich auf Hans Sedlmayrs „Verlust der Mitte“ bezogen haben, ein Buch, das bekanntermaßen einen schlechten Ruf hat. In der selben Rede sprach der Kardinal auch vom Menschenbild, das in der aktuellen Kunst sehr einseitig, nämlich ohne sakrale Dimension thematisiert würde. Da sprach die Kirche, die sich für maßgeblich in sämtlichen Menschheitsfragen wähnt, ein großes Wort gegen die Konkurrenz von der Kunstreligion. – Auch diese hat ihre Priester, ihre Dogmen, ihre Ketzergerichte und ihre Rituale und witterte eine Störung im Geschäft der Sinn- und Ideologieproduktion. Herr Lang ist als Kunstprediger übrigens nicht im Rang eines Kardinals, sondern nur ein Katechet auf Ecstasy. Bei den Worten des Kardinals handelt es sich lediglich um eine Meinungsäußerung, mehr nicht. Es steht nicht die Gründung einer katholischen Reichskunstkammer bevor, und es werden auch nicht Ikonoklasten aus dem erzbischöflichen Palais die Galerie Lang erstürmen und dort ein paar Mickymäuse zerstören. (Katholiken sind schließlich keine Puritaner.) Der Glaubwürdigkeit seiner Kulturexpertise erweist Lang mit seiner Glosse wie immer keinen Dienst. Sprachliche Entgleisungen wie „scheuklapprig“, „Gedankenumdrehen“, „entartisieren“ etc. sind nicht entartet, sondern nur unkultiviert. Bodo Strauß heißt übrigens Botho und hat schon etliche gegen ihn gerichtete hysterische Antifa-Erregungen überstanden. Ich erinnere nur an den „Anschwellenden Bocksgesang“ Was ihn in eine Reihe mit dem Philologen, Theologen, Schriftsteller und Drehbuchautor („Monaco Franze“) Süßkind, der übrigens Süskind heißt und dem Surrealisten und Antiklerikalen Bunuel bringt, wäre erhellend. Vielleicht ist die Aufzählung aber auch reiner Zufall.
Hyperventilation
Ingeborg Knaipp | 24.09.2007 11:42 | antworten
Kardinal Meisner hat gesagt: "Dort, wo die Kultur vom Kultus, von der Gottesverehrung abgekoppelt wird, erstarrt der Kultus im Ritualismus, und die Kultur entartet. Sie verliert ihre Mitte." Damit könnte er sich auf Hans Sedlmayrs „Verlust der Mitte“ bezogen haben, ein Buch, das bekanntermaßen einen schlechten Ruf hat. In der selben Rede sprach der Kardinal auch vom Menschenbild, das in der aktuellen Kunst sehr einseitig, nämlich ohne sakrale Dimension thematisiert würde. Da sprach die Kirche, die sich für maßgeblich in sämtlichen Menschheitsfragen wähnt, ein großes Wort gegen die Konkurrenz von der Kunstreligion. – Auch diese hat ihre Priester, ihre Dogmen, ihre Ketzergerichte und ihre Rituale und witterte eine Störung im Geschäft der Sinn- und Ideologieproduktion. Herr Lang ist als Kunstprediger übrigens nicht im Rang eines Kardinals, sondern nur ein Katechet auf Ecstasy. Bei den Worten des Kardinals handelt es sich lediglich um eine Meinungsäußerung, mehr nicht. Es steht nicht die Gründung einer katholischen Reichskunstkammer bevor, und es werden auch nicht Ikonoklasten aus dem erzbischöflichen Palais die Galerie Lang erstürmen und dort ein paar Mickymäuse zerstören. (Katholiken sind schließlich keine Puritaner.) Der Glaubwürdigkeit seiner Kulturexpertise erweist Lang mit seiner Glosse wie immer keinen Dienst. Sprachliche Entgleisungen wie „scheuklapprig“, „Gedankenumdrehen“, „entartisieren“ etc. sind nicht entartet, sondern nur unkultiviert. Bodo Strauß heißt übrigens Botho und hat schon etliche gegen ihn gerichtete hysterische Antifa-Erregungen überstanden. Ich erinnere nur an den „Anschwellenden Bocksgesang“ Was ihn in eine Reihe mit dem Philologen, Theologen, Schriftsteller und Drehbuchautor („Monaco Franze“) Süßkind, der übrigens Süskind heißt und dem Surrealisten und Antiklerikalen Bunuel bringt, wäre erhellend. Vielleicht ist die Aufzählung aber auch reiner Zufall.

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