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Mittlere Preisklasse

Nur schnell zur Einstimmung ein paar Frühjahrsauktionspreise aus New York. Ein Damien Hirst für 7,43, ein Mark Rothko um wohlfeile 72,8, Jasperr Jones 17,4, Roy Lichtenstein 4,5, Eva Hesse 4,5, Andy Warhol 71,7 – alles natürlich in Millionen und alles in Dollar. Dann noch vielleicht ein kleinerer Jonathan Meese um schlappe 240.000,- und ein Georg Baselitz um 576.000,-. Von den auf drei Jahre vorausverkauften Leipzigern jetzt einmal gar nicht zu reden. In der gleichen Sensationspreisaufzählungszeitschrift durfte ich dann noch lesen, dass derzeit am besten Kunst im "mittleren Preissegment" zu verkaufen ist. "Also Kunst zwischen 30.000,- bis 70.000,- Euro". So stands jedenfalls zu lesen. Jetzt sind natürlich 50.000,- Euro im Vergleich zu einem erzielten Damien-Hirst-Preis von 7.43 Millionen Dollar tatsächlich ein ziemlich nebbiches mittleres Preissegment. Quasi schon ein unmoralisches Superschnäppchen. Ausgenommen von all diesen Überlegungen sind natürlich 98,9% all jener KünstlerInnen für die 50.000,- Euro ein Superphantasiewunschpreis wären. Was ist also mit diesen 98,9% die nie und nimmer und nicht einmal mit Ihren besten Kunstwerken je ins mittlere Preissegment rutschen. Kommen sich die irgendwie blöd vor? Oder schlecht vertreten? Oder nicht einmal annähernd mittelmäßig? Obwohl sie bisher stolz auf sich waren und für eine kleinere und besonders gelungene Zeichnung 800,- Euro bekommen haben? Werden die jetzt unglücklich, depressiv, verzweifelt? Oder arbeiten sie mehr oder weniger trotzig weiter, weil sie wissen, dass alle Hypes nur gehypte Illusionen sind. Und lesen keine Zeitungen und Zeitschriften mehr, drehen den Fernseher ab und werfen jeden der fragt, wieso er/sie kein Jonathan Meese ist, einfach aus dem Atelier. Vor allem letzteres wäre eine gute Idee.

Ihre Meinung

2 Postings in diesem Forum
Menschen,
clemens stecher | 19.07.2007 08:19 | antworten
die solche Fragen stellen, melden sich bei mir gar nicht erst an.
Eine Antwort einer Malerin in der unteren Preiskategorie
Ingrid Reichel | 31.07.2007 11:08 | antworten
Ich fühle mich frei. Frei von Zwängen wirtschaftlicher Faktoren, frei vom Kunstmarkt, frei von irgendwelchem MUSS, frei von Druck. Einfach frei... und Herr Lang, das ist ein gutes Gefühl! Ich lebe nicht in Illusionen, sondern ich lebe um welche zu erschaffen... Ich hoffe meine Antwort gibt Ihnen Trost und Zuversicht.

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