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Ich war kurz in Peking.

Auf der Kunstmesse. Hätte ich mir ersparen können. Zumindest als Aussteller. Denn Besucher waren kaum da. Und wenn Kunstinteressierte darunter waren, dann nur sehr inkognito. Aber vielleicht wussten einfach alle Abwesenden, dass es sehr viele Zahnfletschlachchinesenbilder von sehr vielen verschiedenen chinesischen Künstlern gibt. Dafür war ich mit sehr sehr vielen anwesenden Chinesen in der forbidden city. Und im Sommerpalast. Aber das glutomatfreie Essen und die tägliche Fußmassage waren dafür erfreulich. Und der tägliche Sunday Market. Wenn man ihn als Flohmarkt beschreiben würde (ca 5x so groß wie der unsrige am Naschmarkt), wäre er wahrscheinlich ein bissl beleidigt - wenn man ihn als Antiquitätenmarkt einstuft, ist man selber schuld. Also ist der Sunday Market halt irgend etwas dazwischen. Mit viel schönem "older, older, older". Und während die Händlerinnen und Händler rufen, zupfen, flüstern und schreien, werden wie wild die Preise in den Taschenrechner getippt. Und wenn man dann so lange hin- und hergetippt hat, bis man erschöpft ist, hat man vielleicht für ganz wenig Geld eine ganz nette Kopie von irgend etwas, das irgend wo als wirklich "older, older, older" gezeigt wird. Diese Woche bin ich allerdings nicht in New York. Obwohl da viele Bilder versteigert werden, die die Medien schon seit Wochen als "the best, the best, the best" bejubeln. Und wenn dann endlich die Auktionatoren rufen, locken, flöten und preisen, werden die sich überschlagenden Gebote mit absehbarer Wahrscheinlichkeit in "nicht für möglich gehaltene" Rekordhöhen getrieben. Hat man dann seine Gebotshand nur genügend lang über der Schulterhöhe platziert, so hat man vielleicht für ganz viel Geld ein ganz nettes und absolut hochgejubeltes Original, das mit absehbarer Wahrscheinlichkeit irgend wann einmal - oder schon morgen - einen Wert repräsentiert, der mit dem dieswöchig bezahlten Preis nicht mehr allzu viel zu tun hat. Aber das ist wie so oft schon wieder eine völlig andere Geschichte.

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