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America`s International Fine Art & Antique Fair: Quality in a very relaxed way

Palm Beach ist ein Paradies für Augenmenschen Fast ein wenig zu entspannt ging es zu auf der Vorvor-Vernissage der ohnehin entspanntesten Kunstmesse der Welt. Keine Spur von Massenspurt in Palm Beach. Anders als im hippen Miami, wo sich sechs Wochen zuvor wie jedes Jahr zum Teil dramatische Szenen im Kampf um die frischeste Leinwand abspielten, gibt man sich eine gute Autostunde weiter nördlich wesentlich gediegener. Nur wenige Hundert Besucher hatten am 1. Februar bis zu 1.000 Dollar für eine Eintrittskarte zugunsten eines wohltätigen Zwecks ausgegeben. Und denen, die gekommen waren, schien es auch eher um Socialising zu gehen als um den Erwerb von Kunst. Auch am zweiten Tag, auf der eigentlichen Vernissage ging es ganz gemütlich zu. Viele Besucher kommen mehrmals auf die Messer und kaufen ohnehin erst am zweiten Wochenende. Im Sunshine State hat man eben Zeit. Oder, wie Konrad O. Bernheimer sagt: "Palm Beach is quality in a very relaxed way." Die Händler wissen diese Atmosphäre durchaus zu schätzen. Zudem wissen sie, dass hier eine ausgesprochen wohlhabende und oft kenntnisreiche Klientel zu Hause ist und sie mit Sicherheit auf ihre Kosten kommen. Das Angebot ist entsprechend. Weltweit ist Palm Beach nur noch mit der Tefaf und der Biennale des Antiquaires in Paris vergleichbar. Die Preise ebenfalls. Viele Aussteller haben Millionenwerke dabei, einige sogar im zweistelligen Bereich. Whitfield aus London hatte sich vorgenommen, eine 30 Millionen Dollar-Wand zu hängen, konnte den Plan allerdings nicht verwirklichen. Neben dem Portrait eines jungen Mannes von Parmigiannino und einer Madonna mit Jesuskind und Johannesknaben (je 10 Mio. USD) hängt jetzt eine Madonna mit Kind, Johannesknabe und St. Franziskus zu lediglich 550.000 Dollar. Das Porträt der Francesca Capponi als Maria Magdalena von Pontormo (10 Mio. USD) hängt nämlich bereits bei einem Kunden zur Probe. Noch mehr Geld kann man für Steine ausgeben. Bei Moussaieff aus Genf/London wartet ein Paar Diamantohrringe für 30 Mio. Dollar auf Kunden. Noch dichter als in Maastricht scheint hier die Präsenz der Juweliere zu sein. Deren Zahl ist in Florida ungefähr so groß wie in Maastricht, bei insgesamt nur halb so vielen Ausstellern. In Amerika ist die Trennung zwischen Angewandter und Freier Kunst eben nicht so streng, da beide der Repräsentation dienen. Da rutscht dann bisweilen auch ein Anbieter ins Programm, der in seinen Exponaten beides vermischt. Sonderlichkeiten wie den Stand der William Secord Gallery wird man anderswo wohl kaum finden. Der New Yorker ist nach eigenen Worten spezialisiert auf "Fine nineteenth and early twentieth century dog and animal paintings". Dazu passt die von einem ebenfalls amerikanischen Ausrüster angebotene französische Kürassier-Prunkrüstung aus der Zeit um 1640 zu 145.000 Dollar. Jenseits solcher Ausrutscher bereitet die Messe allerdings den Liebhabern Alter Kunst einen ausgesprochenen Augenschmaus. Bei Otto Naumann aus New York etwa, der sich wieder einen Stand mit Jack Kilgore teilt, gibt es eine zart nuancierte Marine von Jan van de Capelle für 7 Mio. Dollar. Und obwohl die Niederlandes selbst mit nur einem Aussteller vertreten sind, ist die Malerei des Goldenen Zeitalters omnipräsent. Das beginnt mit Provosts Anbetung bei Dickinson, London, für 2,1 Mio. Dollar und endet noch lange nicht mit einer Schlittschuhpartie Hendrick Saenredams bei der mittlerweile zu Sotheby`s gehörenden Galerie des kürzlich verstorbenen Robert Noortmans (2,5 Mio. Euro). Einen stärkeren Fokus legt die Messe mittlerweile auf die Kunst des 20. Jahrhunderts, der auch schon Klassikerstatus zugebilligt wird. Erstteilnehmer Terminus aus München legt sich entsprechend ins Zeug und bietet von Lichtenstein (7,5 Mio USD) bis Richter (bis 2,2 Mio USD) das obere Drittel der Nachkriegskunstgeschichte auf. Palmen, Strand und plastische Chirurgie tun ein übriges, um Palm Beach zu einem echten Winterparadies für Augenmenschen werden zu lassen.
America`s International Fine Art & Antique Fair
01 - 11.02.2007

Palm Beach
33401 Palm Beach, Convention Center
http://www.palmbeachfair.com
Öffnungszeiten: 12-19 h


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