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Zuerst kommt das Fressen, dann die Moral?

Der Kunstmarkt im obersten Segment ist gefräßig geworden. Sehr gefräßig. 492 Millionen Dollar hat er letzte Woche allein in 2 Stunden an einem Ort verschlungen. Ob er mittelfristig auch in der Lage sein wird, kunstfreundlich zu verdauen, wird sich noch weisen. Denn die abstruse Gefräßigkeit wird von einer Berufsgruppe angeregt, deren Engagement nicht gerade kunstsinnig zu nennen ist. Eine Berufsgruppe die das nicht eindeutig formulierte Protokoll der "Washingtoner Konferenz" im Dezember 1998 sehr geschickt zu manipulieren weiß. Ich würde sie der Einfachheit halber Restitutionsanwälte nennen. "Es sind in der Tat oft erst Anwälte, die Erben animieren, Rückgabeforderungen erstellen zu lassen" (Spiegel Nr. 45/6.11.2006) Es sind Anwälte, die Restitutionsgrenzfälle und Restitutionsgrauzonen ausnützen, um nicht nur Erben zu ihrem Recht, sondern vorrangig dem Kunstmarkt durch Kunstwerke mit Museumsreputation und einer zeitgeistig aufgepeppten Unrechtsgeschichte zu außergewöhnlichen Auktionspreisen zu verhelfen. Und dies natürlich nicht ohne Eigennutz. Denn 25% der Auktionsergebnisse sind im Normalfall das Honorar für den Anwalt. Es soll und darf nicht dazu kommen, dass durch unseriöse Kunstmarktbeschaffungsmethoden die moralische Notwendigkeit und Selbstverständlichkeit von Restitutionen in Misskredit gebracht werden. Es bedarf eindeutigen und international anerkannten Richtlinien. Sonst ist nix mit Moral.

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