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Mark Hosking - Disconnected: Designs für eine bessere Welt

"Ich mag die Vorstellung, dass ein Bildhauer einmal die Versorgung mit Nahrung oder Trinkwasser übernehmen könnte," sagte Mark Hosking anlässlich seiner Teilnahme an einer Gruppenausstellung im Dortmunder Museum am Ostwall 2002. "Das sind gewiss extreme Situationen. Aber als Künstler schwebt mir stets vor, Dinge umzuformen, neu zu bauen, zusammenzufügen und so neues Leben zu schaffen." Die potenzielle Verwandelbarkeit der uns umgebenden Dingwelt ist das Leitmotiv seines Schaffens. Meist sind es menschliche Grundbedürfnisse wie Essen, Schlafen, Trinken, die der Brite (geb. 1971) in hybriden Skulpturen aus Recyceltem verhandelt und auf Notlagen mit gewitzten Problembewältigungs-Apparaten antwortet. So werden Luxusaccessoires wie Brillenetuis und Highheels von Chanel zu Mausefallen, lebensrettende Airbags zu Leben spendenden "Growbags" für Pflanzen, ausgediente Glühbirnen zu intakten Öllampen. Regenschirmen ähnliche, rotierende Reflektoren sammeln Sonnenenergie zum Kochen, Schuhe mutieren zu Morsegeräten, Telefonkabel dienen der Rekonstruktion eines Designerstuhls und Fahrräder bringen einen auf einer Drehbank befestigten Baseballschläger zur Selbstverteidigung in Gang. Mag das Gebrauchsgut, das Hosking verwertet, noch so einfach sein, stets macht der Künstler dessen funktionale Gestaltungsfähigkeit aus, überlistet derart missliche Lebenssituationen, unterfüttert sie mit Humor. Seine aktuelle Präsentation scheint auf den ersten Blick den minimalistischen Skulpturen einer Eva Hesse zu einer poppigen Revitalisierung zu verhelfen. Farbenfrohe String Bikini-Oberteile spannt er in mehreren Layers zu filigranen Gefügen zusammen, füllt einzelne Schichten mit Sanden und Kohle und versieht die Enden dieser enorm anziehenden, körperhaften Gehänge mit Petflaschen. Deren Inhalt: Wasser aus der Donau. Auch durch die männliche Variante dieser filtertauglichen Gewandskulpturen (bestehend aus Hemden und Krawatten) hat es sich seinen Weg in Trinkwasserkanister gebahnt. Wenn Hoskings als "Water Phantom" betitelte Objekte eine gedankliche Brücke zur menschlichen Niere und deren Reinigungsfunktion schlagen, dann ist das allerdings mehr als eine Referenz auf das lebensnotwendige H2O von dem weltweit nur 0,27 Prozent Trinkwasserqualität haben soll. Wie frühere Arbeiten des Künstlers eröffnet auch dieses Projekt nicht nur einen spielerischen sondern auch kritischen Zugang zur Welt. Denn in gewissem Sinne ist Mark Hosking ein Moralist. Seine Werke lassen stets die utilitaristischen Implikationen kultureller, ökonomischer und politischer Kreisläufe - nicht zuletzt den Kampf um Energieressourcen - mitdenken.
Mark Hosking - Disconnected
15.09 - 31.10.2006

kerstin engholm galerie
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