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Jenny Holzer. XX: Power und Dauer

Am Anfang war das Wort. Noch bevor man überhaupt passiert, was zu bemerken ist, dringen einem die Formulierungen schon entgegen. Ganz am Entree zu Jenny Holzers Lichtgefunkel und Satzgeklingel im MAK-Ausstellungssaal an der Weißkirchnerstraße prangen die ersten Slogans. "Torture is barbaric" weiß eines der als Multiple vorgesehenen Plakate, und das andere setzt unverzüglich nach: "Raise boys and girls the same way". Vorher noch, gleich an der Eingangspforte, hatte schon der Klassiker gewartet: "Abuse of power comes as no surprise". Die Sentenzen der Jenny Holzer sind kaum zu ertragen, so wahr sind sie. Das tautologische Gefüge, das sie sich in drei Jahrzehnten zusammenräsonniert hat, ist dauerhafter als Erz, und so scheint es zunächst einmal verwirrend, dass für die Installation, mit der nun das MAK gefüllt wird, Wortspenden herhalten müssen. Nichts eigenes, sondern Fremdes. Das Fremde stammt allerdings von Elfriede Jelinek, und somit steht einer furchtlosen Eingeweideschau ins Gekröse der eigenen moralischen Überlegenheit letztlich doch nichts im Wege. So verquast das ist, was Jenny Holzer auf ihren Spruchbändern ablaufen lässt, so souverän ist ihre Beherrschung des Ambientes. Ganz aus dem Geist der Pattern Art der Achtziger überzieht die Künstlerin Wände und Welten mit der Ornamentik farbigen Lichts, wählt zu diesem Grund jenes Muster und füllt die Räume mit Spektakel. Diesmal hat sie Sitzkissen verteilt, von denen aus man Pflaster und Plafond ins Visier nimmt, auf deren nackte Fläche die obligatorischen Schriftstellereien projiziert werden. Jenny Holzer nimmt, wie sie sagt, Anstoß am Missbrauch der Power. Was ihr aber selber unterläuft, ist ein Missbrauch der Dauer. Durchaus konsequent nämlich zum gesamtkunstwerklichen Anspruch, die Räume zu beherrschen, will sie genauso die Wahrnehmungen beherrschen. Das ist nichts anderes als wagnerianisch, und auch Jenny Holzer zwingt der Rezeption eine Zeitlichkeit auf, die das Totalitäre nicht scheut. Quälend langsam laufen die Wortfolgen ab, und wer die Sätze wirklich ernst nimmt, indem er sie lesen will, muss sich einer Lektüregeschwindigkeit unterwerfen, die man keinem Erstklässler mehr abverlangt. Jenny Holzer geht es offenbar nicht um die Texte. Sie will die Seelen. Auch als Künstler kann man Macht missbrauchen.
Jenny Holzer. XX
17.05 - 17.09.2006

MAK - Museum für angewandte Kunst
1010 Wien, Stubenring 5
Tel: +43 1 711 36-0, Fax: +43 1 713 10 26
Email: office@mak.at
http://www.mak.at
Öffnungszeiten: Di 10-21, Mi-So 10-18 h


Ihre Meinung

1 Posting in diesem Forum
wieder einmal kritisches vor der öffentlichkeit versteckt
pichler wolfgang | 31.05.2006 11:34 | antworten
Dass die slogans und die texte die jenny holzer hier zeigt wahrheiten enthalten und erkenntnispotential beinalten sceint mir ausser frage zu stehen, und herr metzger at dies auch rictig bemerkt. auch richtig bemerkt hat er meiner meinung nach dass die texte nicht wirklich lesbar im sinne eines zusammenhängenden ganzen sind. aber gerade jelinek texte eignen sich für eine fragmentarische und schlagwortartige rezeption ser gut weil das spiel mit der oberflächlichen auseinandersetzung bereits in den texten angelegt ist. dennoch muss ich herren metzger recht geben wenn er die erschwerung der rezeption durch die form der installation hervorstreicht. aber dort hört das problem des nicht wahrnemen könnens noch nicht auf! denn die situation in einem museum alleine bewirkt ein eingeschränktes publikum und damit auch eine eingeschränkte wirkung . denen die eh schon kritisch denken wird dies noch einemal ermöglicht sich unter beweis zu stellen. die leute auf der strasse hingegen werden der krone oder heute überlassen! muss das wirklich sein ? gerade lichttexte wie sie jenny holzer benutzt eignen sich hervorragend für den öffentlichen raum, und meiner meinung nach würden sie dort auch eher funktionieren....

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