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Der Schuh in der Kunst: Ich will alles, und das sofort

Die wohl am häufigsten anzutreffenste Sammelleidenschaft konzentriert sich auf den Schuh und vereinigt in sich Obsession, Sexyness und Funktionalität. Wer hat nicht bereits bei sich selbst erste Anzeichen dazu entdeckt, der Kaufsucht von Schuhen zu verfallen. Offensichtlich scheint der Bedarf nach noch mehr Ausstellungen, die sich aus dem Fundus des Alltäglichen bedienen, nicht abzureißen. Gebrauchsgegenstände wie Schuhe oder Stühle tauchen vermehrt im Kunstkontext auf und lösen das Versprechen ein, dass die Alltagsästhetik unabhängig von Modedogmen und Designerfreaks neben einer Konsumsucht auch zur Schaulust anregt. Während eine Sonderausstellung im Schlossmuseum Linz mit der Schuhsammlung der Oberösterreichischen Landesmuseen den kulturhistorischen Aspekt verfolgt, der sich im Schuhwerk niederschlägt, widmet man sich in der Galerie im Traklhaus dem künstlerischen Potential. Der Drang Kunst und Alltagskultur programmatisch zu verschränken, lässt die Kuratorin der Ausstellung Dietgard Grimmer alles aufsaugen, was nur irgendwie mit Schuh und Kunst in Zusammenhang steht. An die 70 Exponate wurden so zusammengetragen, deren Künstlerliste von VertreterInnen der internationalen Kunstszene wie Silvy Fleury, Raymond Pettibon, Andy Warhol bis Siegfried Anzinger, Judith Huemer, Birgit Jürgenssen und Amina Handke reicht. Höchst individuelle Umgangsformen in der Gestaltung von unterschiedlichsten Materialien wie Gips, Bronze, Holz oder Schokolade und Medien wie Malerei, Zeichnung, Skulptur und Video sind hier zu sichten. Modelle wie sie über die Catwalks von Paris, New York oder Mailand defilieren, trifft man kaum an. Mit dem schwindelerregenden Plateauschuh von Deborah Sengl würde man sowieso zu Fall kommen. In Judith Huemers Video "The Beautiful Legs that Continue Their Way" wird ein abgebrochener Stöckel zum Handicap. Ilse Haider hingegen erteilt der Blickobsession für schlanke Frauenbeine eine Absage, indem sie die behaarten Beine eines Mannes in Damenschuhe zwängt. Die kulturellen Brüche, welche der Schuh neben seinem Status als das meist zitierte Objekt der Begierde und Fetisch auslöst, werden gleich mitinszeniert und dabei wird die Abweichung von der Norm zum Regelfall und bietet falschen Schönheitsidealen Paroli.
Mehr Texte von Ursula Maria Probst

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Der Schuh in der Kunst
24.03 - 17.06.2006

Kunst im Traklhaus
5020 Salzburg, Waagplatz 1a
Tel: +43 662 8042-2149, Fax: +43 662 8042-3078
Email: traklhaus@salzburg.gv.at
http://www.salzburg.gv.at/traklhaus
Öffnungszeiten: Di - Fr. 14.00 bis 18.00 Uhr, Sa 10.00 bis 13.00 Uhr


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