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Ina Weber - Desperanto: Schläger und Bälle

Ästhetik tritt auf den Plan, wenn man etwas nicht mehr braucht. Als die Pferde durch die Kanonen ersetzt waren, wurden sie spanische Hofreitschule. Als die Bilder nicht mehr für Repräsentationszwecke nötig waren, brachte man sie ins Museum. Als die Menschen nicht mehr verhungerten, erfand man die Michelin-Sterne und die Gault Millau-Hauben. Und seit die Leute im Urlaub nach Mauritius fliegen, wandern die Minigolfplätze in die Galerie. Eben eine solche Anlage hat die deutsche Künstlerin Ina Weber bei Georg Kargl jetzt installiert. Bekanntlich ist der Mensch nur dort ganz Mensch, wo er spielt, und also werden vor Ort Schläger und Bälle ausgeteilt, damit man zum naturwüchsigen Stoff- und Formtrieb dort auch noch seinem Spieltrieb frönt. In letzter Zeit hat man ja das Ludische generell wiederentdeckt, Pierre Bourdieu hat seine Regeln der Kunst davon abgeleitet und Robert Pfaller seine Illusionen der anderen. Dass sich Gegenwartkunst besonders gut mit Infantilität verträgt, mag womöglich auch damit zusammenhängen. Nun also Minigolf. Zwölf Bahnen sind es, die Ina Weber in der Galerie verteilt hat, und der Clou besteht darin, dass die traditionellen Hindernisse zwischen Abschlag und Loch aus Häusermodellen bestehen. Die Künstlerin, Jahrgang 1964, hat sich einer Kunst über Architektur verschrieben. Entsprechend betreiben ihre Arbeiten die Reflexion all der beiläufigen, im Weg stehenden, ganz selbstverständlich benutzten und in ihrer Hässlichkeit einfach vorhandenen Bauten, wie sie die Gegenwart möblieren. So gesehen ist das Prinzip Minigolf eine Art Medium dieser Reflexion. Andere Medien gibt es auch in der Ausstellung: Aquarell vor allem, Wandrelief und raumfüllende Skulptur. Und auch sie werden, wie Walter Benjamin es über die Architektur gesagt hat, rezipiert werden: auf dem Wege der Gewohnheit. Heutzutage werden die wichtigsten Entscheidungen ja auf dem Golfplatz getroffen. Auf dem großen Golfplatz, nicht auf dem für Minigolf. Es ist damit in der Wirklichkeit wie in dieser Kunst. Die zentralen Dinge finden woanders statt.
Ina Weber - Desperanto
04.03 - 16.04.2005

Galerie Georg Kargl
1040 Wien, Schleifmühlgasse 5
Tel: +43 1 585 41 99, Fax: +43 1 /585 41 99-9
Email: office@georgkargl.com
http://www.georgkargl.com
Öffnungszeiten: Mi-Fr 13-19
Sa 11-16h sowie nach Vereinbarung


Ihre Meinung

2 Postings in diesem Forum
Minigolf
Ernst Hübner | 18.03.2005 07:23 | antworten
gut gemacht und richtig dokumentiert,beeindruckend leider ist es so !
cool
bub | 15.04.2005 08:28 | antworten
gibt es irgendwo mehr fotos?

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