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Karl Anton Fleck - Anthropologische Maschine: Ausstellungsdesign parlante

Grau grau grau die Wände. Diesmal gibt sich der Ausstellungsbereich im Keller des Leopold Museums wirklich wie ein Bunker. Mittendrin stehen ein paar hohe schlanke, bald ganz eng, bald freier im rechten Winkel zueinander gerückte Stellwände, die sind allerdings in den schrillsten Farben getüncht. Spiegel der dumpf-reaktionären Stimmung im Österreich der sechziger Jahre, das Jahrzehnt, das für den Werdegang des leidenschaftlichen Jazzers Karl Anton Fleck (1928-1984) prägend war - nachdem er aus Schweden zurückkehrt war, wo seine persönlichen (bild-)künstlerischen Anfänge liegen? Grelle Flecken inmitten der Tristesse des Alltags? Wohl doch. Das Kuratoren-Design, das Romana Schuler für die von ihr betreute Personale eines weithin vergessen entworfen hat, versucht jedenfalls, nicht nur nur über ein Lebenswerk, sondern auch über seinen sozialen Hintergrund zu sprechen. Ausstellungsdesign parlante, vielleicht ein bisschen zu viel. Trotzdem ist mit einer Unmenge von Materialien - Bildern, Zeichnungen, Grafiken und Archivmaterial - eine Ausstellung zu Stande gekommen, der es gelingt zu treffen und zu berühren. Zwar werden die insbesondere in handwerklicher Hinsicht auffallend solide und eher konventionell ausgeführten Arbeiten - Fleck liebt die Feder, den Graphitstift und grafische Techniken wie die Lithographie - aus eben diesem Grund nicht jedermanns Sache sein, eindrücklicher sind da schon seine Aquarelle. In ihrem Ausdruck aber und in ihren fragmenthaften Erzählungen bannen diese Blätter. Erzählen von "Sättigungsapparaturen", "Aufsichtsräten", "Fleck Luther als Mönch", "Augenspeisen". "Mein Herz pustet Farbe / mein Geist nimmt den Regenbogen wahr / und spannt ihn von mir zu dir ..." steht als Motto auf der Stirnwand, wobei der Schriftzug, claro, ebenfalls in poppigen Spektralfarben ausgeführt ist. Eine weitere Richtung gibt die Kuratorin durch den Titel "Anthropologische Maschine" vor: der Mensch, hinausgefallen aus gesellschaftlichen Bindungen, reduziert auf eine Maschine - eine Daseinsform, aus der dank Kreativität doch wieder auch Kraft gezogen werden kann. Zumindest die Kraft, die zum Überleben notwendig ist. Gerade in dieser kreativ gemachten Maschinenhaftigkeit docken Flecks Arbeiten denn doch nachhaltig und deutlich an die Zeit an, in der sie entstanden sind - und einen künstlerischen Kontext, der insbesondere inhaltlich abgesteckt wird durch so zentrale Figuren wie Bruno Gironcoli, Maria Lassnig oder Günter Brus ab der "Schastrommel".
Karl Anton Fleck - Anthropologische Maschine
18.02 - 30.05.2005

Leopold Museum
1070 Wien, Museumsquartier
Tel: +43 1 525 70-0, Fax: +43 1 525 70-1500
Email: leopoldmuseum@leopoldmuseum.org
http://www.leopoldmuseum.org
Öffnungszeiten: Mi-So 10-18 h


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