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William Eggleston - Los Alamos: Straßenfotografie

Im 1996 vom Kölner Ludwig Museum herausgegeben Handbuch der "Photographie des 20. Jahrhunderts" war der Name William Eggleston den Herausgebern bei gut 300 gelisteten Fotografen nicht einmal einen Eintrag wert. Unter dem Eindruck von Walker Evans` Verdikt "Farbfotografie ist ordinär" muss der Tenor in etwa gelautet haben: noch ein Farbknipser mehr. Wenigstens aber ließ sich die Fotoabteilung des Hauses sieben Jahre später den Erwerb einer Mappe mit 86 im Zeitraum 1966-1974 entstandenen, jetzt aber quasi neu-entdeckten Farbfotografien Egglestons aus dem "Los-Alamos"-Konvolut nicht entgehen. Auf ihrer Tour durch internationale Museen macht die Mappe nun in der Albertina Station. Ein triftiger Grund, sich die Ausstellung nicht entgehen zu lassen, ist der Umstand, dass sie Egglestons erste Schritte auf dem Feld der Farbfotografie dokumentiert. Denn auch er hatte sich bis dahin an Vorbildern wie Cartier-Bresson und Evans orientiert und folglich aufs Schwarz-Weiß-Format beschränkt. Das Experiment, so zu arbeiten wie die Kollegen in der Werbebranche, muss ihn allerdings ernsthaft beschäftigt haben. Immerhin nimmt der 27jährige die Farbausrüstung mit ins Gepäck, als er 1966 mit ein paar Freunden (darunter Dennis "Easy-Rider" Hopper und Kurator Walter Hopps) und einer jener dieser amerikanischen Limousinen in die Südstaaten aufbricht. Die Gegend und ihre Eindrücke - landschaftliche wie urbane, besonders aber das abgeschottet auf einem Hochplateau in New Mexico gelegene Gelände des Atomforschungslabors Los Alamos - faszinieren ihn derartig, dass er dieselbe Reise in den folgenden Jahren noch mehrere Male unternehmen wird. Mit dem Blick des Knipsers, der Perfektion und Präzision des ausgebildeten Fotografen und dem Lebensgefühl des Cruisers erobert Eggleston den amerikanischen Südwesten auf seine Weise. Motive findet er überall, auf der Straße, in der Wüste, auf Parkplätzen, Motorhauben, Schrifttafeln oder in Schaufenstern. Da ist etwa der Supermarktverkäufer, wie er im Licht der Abendsonne Drahtwägen zusammenschiebt. Für diese - Egglestons erste bekannte Farbfotografie - spielt er klassische Kompositionsprinzipien wie Zentralperspektive, Verdoppelung oder das Verhältnis von Bildvorder- und Bildhintergrund gegeneinander aus. Hingegen nimmt er für die hochformatige Aufnahme einer Wolke den Horizont so flach und niedrig an, dass sich die ganze Dynamik der Situation in dem sich hoch vor dem dunkelblauen Himmel auftürmenden weißen Wolkenballon bündelt. Manche Motive mögen aus heutiger Sicht kitschig erscheinen: Ein pudergelber Frisierumhang auf einer Ankleidepuppe etwa. Oder in Reih und Glied aufgestellte Zuckerwattebäusche. Momentaufnahmen wie die einer alten Dame in rot-weißer Karo-Bluse vor einem aus bunten Rechtecken zusammengesetzten Mural oder die einer jungen Frau, wie sie mit auftoupierten Haaren hinter dem Steuer eines Straßenschlittens sitzt, wobei der Rahmen des heruntergekurbelten Fensters zugleich das Bild rahmt, unterstreichen hingegen, wie bravourös Eggleston das Gefühl für den Augenblick mit der Herausforderung von Licht und Farbe und nicht zuletzt den leuchtstarken Möglichkeiten des Dye-Transfer- (Farb-Umkehr-)Druckverfahrens zusammenbringt. Insgesamt 2200 Farbfotografien entstanden auf diesen Reisen. Erst in den letzten Jahren hat Eggleston sie jedoch gesichtet und ausgewertet und daraus die Los Alamos Mappe zusammengestellt. Wer weiß, welche Preziosen sich noch in dem Konvolut verbergen?
William Eggleston - Los Alamos
26.01 - 24.04.2005

Albertina
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Email: info@albertina.at
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Öffnungszeiten: Tägl. 10-18h, Mi 10-21 h


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