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Eisengraberamt p.p.: Linkskurve talabwärts

Chris Lackner und Norbert Fleischmann lieben es präzise: sunday, summer, june, july, august, september und dazu die Weganweisung krems B 37 / gföhl / km 21,4 rechts / eisengraben / linkskurvetalabwärts / p.p.. Seit drei Jahren schicken sie von ihrem "Eisengraberamt p.p." eine mit genau diesem Wortlaut versehene Einladung aus. Die Weganweisung braucht es, anders wäre die mitten im Naturschutzgebiet gelegene Idylle wohl nicht zu finden. Auch wenn Lackner und Fleischmann sommersüber den Betrieb in der Kremser Galerie Stadtpark ferienbedingt einstellen, wollen sie in diesen Wochen von der Kunst nicht lassen. Deshalb beschlossen sie, das Geschehen kurzerhand in ein eigens adaptiertes Nebengebäude ihres Hauses im Waldviertler Dorf "Eisengraberamt" zu verlagern. Dabei gilt ihr besonderes Augenmerk der sorgfältig-stimmigen Auswahl der jeweils eingeladenen Künstler. Waren das 2002 Sigrid Kurz und Karl-Heinz-Klopf mit einer konzentrierten Medieninstallation und 2003 der französische "artists artist" Lucas LHermitte, der den kleinen rechteckigen Raum mit einer minimalistischen Grafit-Installation versah, so initiierten die Gastgeber in diesem Jahr die erste Kooperation zwischen dem Engländer Thomas A Clark und dem Niederländer Roel Knappstein. Auf ihre Weise könnte man jeden der beiden als Landschaftsmaler der besonderen Art bezeichnen, wenngleich man konventionellerweise ersteren als Dichter und letzteren als Bildhauer bezeichnen würde. Doch gehen beide in ihren Arbeiten weit über die Grenzen der Gattung hinaus. Clark malt gewissermaßen mit Worten und evoziert durch typografisch gestaltete Texte Imaginationen. Da liegt in einer Fensternische ein kleines Papierbillet, darin umschmiegt die schlichte Zeichnung eines Leberblümchens ein Gedicht, das die "hepatica" "in a hollow in the hills" verortet - einer bewaldeten Lichtung inmitten der Hügel. Oder "Clouds & Water": die beiden Worte sind auf einem - von Norbert Fleischmann typographisch gestalteten - weißen Fahnenobjekt zu lesen. Als wäre die zugehörige Vorstellung nicht poetisch genug, erfährt das Bild eine nochmalige Überhöhung angesichts seiner Bedeutung im Japanischen: "Wolken und Wasser" heißt im Bilderreichtum dieser Sprache "Wandermönche". Ein japanisch gebundenes Büttenbüchlein führt Clarks Sprachmalerei denn doch wieder zum Text zurück. Roel Knappsteins rätselvolle Objekte lassen hingegen die Sprache aufs erste außen vor, um sie letztlich in Sprachspielen durchs Hintertürchen doch wieder hereinzulassen. Er arbeitet mit Tischen, Kartonmodellen, Lederschuhen ("Air - wAir"). Aus einem zerschnittenen Aktenordner baut er ein Häuschen. In einer grün ausgelegten Tischlade versteckt, lässt dessen ringförmige Griffausnehmung den Mond anklingen: "table (with little house when the moon light lives)". Eine gefaltete Filzdecke und ein Treppenobjekt signalisieren: "place to be". Expliziter wendet sich Knappstein in seinen aus Vogeldreck gemalten Aquarellen der Sprache zu. Meditative Begriffe wie "sober", "still", "silent" arbeiten sich dort aus der grauen Fläche heraus. Mit dem asketischen Objekt "Santokas Chair" - einer groben Kokosmatte mit Metallleiste und Taschengriff - schließt sich der Kreis wieder zu "Clouds & Water" und den "Wandermönchen". Ganz leise nehmen sowohl Clarks als auch Knappsteins Objekte Bezug auf den konkreten Ort, beschwören ihn in seiner Schönheit, Magie und Ästhetik. Aber das macht nichts, das halten sie aus. Alle drei.
Mehr Texte von Johanna Hofleitner

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Eisengraberamt p.p.
01.06 - 30.09.2004

Eisengraberamt p.p.
3542 Jaidhof,


Ihre Meinung

1 Posting in diesem Forum
schlüssig
Gerd Schütte | 30.08.2004 05:46 | antworten
eine absolut schlüssige ausstellung. fein!

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