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Eine neue Kunst? Eine andere Natur! Fotografie und Malerei im 19. Jahrhundert: Lichtbild und Lichtblick

Als in erstaunlicher Parallelaktion Louis Daguerre in Paris und Henry Fox Talbot in London das fotografische Verfahren in die Welt brachten, war es mit dem Schlag des Jahres 1839 vorbei mit der Genügsamkeit des Abkonterfeiens. Ein Stück Wirklichkeit in die Zweidimensionalität zu bannen, konnte fortan jeder, der es sich leisten konnte. Eine Karikatur noch aus eben dem Entstehungsjahr zeigt reihenweise Maler am Galgen. Das Stupende und Stupide des neuen Mediums, es war zum sich Aufhängen. Rodolphe Toepffer, der Genfer Karikaturist und Ästhetiker, holte 1841 zur ersten umfassenden Verurteilung der neuen Technik aus: "Was den Daguerreotypien fehlt, diese Eigenschaft, die für immer die Wunder des Verfahrens von den einfachen Produkten einer intelligenten Schöpfung trennt, das ist der Abdruck des menschlichen, individuellen Geistes, das ist die Seele, die sich auf die Leinwand überträgt, das ist das poetische Wollen, das sich in irgendeinem Stil ausdrückt, das ist... das ist die Kunst" Mit eineinhalb Jahrhunderten Verspätung wissen wir heute alle, dass das Lichtbild durchaus einen Lichtblick angibt. Eine Ausstellung der Münchner Hypo-Kunsthalle, besorgt von Ulrich Pohlmann, dem Leiter des Fotomuseums der Stadt, will nun zeigen, dass es auch Mitte des 19. Jahrhunderts schon so war. Die Maler, so will man es jetzt wissen, sahen ihrerseits den Fotografen über die Schulter. Dass es umgekehrt funktionierte, wusste man immer schon. Das wichtigste rhetorische Mittel, um dieser These Ausdruck zu verleihen, sind die Fotos selber, und in der Tat ist kaum eine der Inkunabeln ausgespart, die mit Aura prunken, auch wenn Walter Benjamin ihnen das nicht ansah: Gustave LeGrays Wolkenbilder, die viktorianischen Wunderinszenierungen von Oscar Rejlander und Julia Margaret Cameron, die Montblanc-Expeditionen der Brüder Bisson und was nicht noch alles versammelt ist. Was weniger versammelt ist, sind die Gemälde, die die Vergleiche liefern sollen. Im Defilee einer motivischen Hängung verliert sich ab und zu ein Kleinformat in Öl, und wenn es eines Beleges bedarf, dass Malerei nach wie vor höher geschätzt ist als Fotografie, dann führt es die Schau in bestem performativem Widerspruch vor. Die Leihgeber, so sieht es aus, trennen sich lieber von den Fotos. Die sind zwar fragiler. Aber liegen offenbar auch weniger am Herzen. Nach wie vor.
Eine neue Kunst? Eine andere Natur! Fotografie und Malerei im 19. Jahrhundert
01.05 - 18.07.2004

Kunsthalle der Hypo-Kulturstiftung
80333 München, Theatinerstrasse 8
Tel: +49 (0)89 22 44 12, Fax: +49 (0)89 29 16 09 81
Email: kontakt@hypo-kunsthalle.de
http://www.hypo-kunsthalle.de
Öffnungszeiten: täglich 10-20 Uhr


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