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Wolfgang Hollegha 1929 – 2023: Vom Gegenstand zur Abstraktion

Am 23. Mai eröffnete die Galerie Ulysses, die dieses Jahr ihr 50-jähriges Bestehen feiert, eine Ausstellung zu Wolfgang Hollegha. Der 2023 verstorbene Künstler galt in Europa als einer der wenigen, dessen Werke Ähnlichkeiten zum Abstrakten Expressionismus aufweisen. In der Nachkriegszeit, in der Hollegha bei Josef Dobrowsky und Herbert Boeckl an der Akademie der bildenden Künste in Wien studierte, war die Abstraktion auch als eine Loslösung und Befreiung der folgenschweren Geschichte zu werten.

Auf Einladung von Clement Greenberg kam Hollegha schließlich 1959 nach New York, wo er Künstler:innen wie Morris Louis, Helen Frankenthaler, Kenneth Noland oder Barnett Newman begegnete. Neben dem Abstrakten Expressionismus entstand auch der Stil des „Color Field Painting“, wo sich die Farbauftragung durch Schütten und Tropfen auf die Leinwand auszeichnet. Während Greenberg Holleghas Werke als abstrakt und gegenstandslos deutete, die seiner Ansicht nach von einer „Flatness“ geprägt waren, empfand Hollegha das Gegenteil. Denn er ging stets vom Gegenstand aus und war auch der Meinung, dass seine Gemälde Räume entstehen ließen und somit das rein Zweidimensionale auflösten. Die Folge der Differenzen war, dass Hollegha New York verließ und zurück nach Österreich kehrte, wo er mit seiner Familie in einem alten Bauernhaus nördlich von Graz am Rechberg wohnte. Dort war er umgeben von Natur und Wald, die ihm stets als Inspiration für seine Kunst dienten. In seinem eigens für ihn errichteten Atelier aus Holz, das doppelt so hoch wie jene der Akademie der Bildenden Künste war, wo Hollegha später auch unterrichtete, konnte er seiner Kreativität freien Lauf lassen.

Wolfgang Holleghas großformatige Gemälde, von denen neben einer Zeichnung fünf in der Galerie Ulysses ausgestellt sind, entstanden wie die Werke von Morris Louis durch Schütten und Tropfen der Farbe auf die am Boden ausgebreitete, noch nicht aufgespannte Leinwand. Meist arbeitete Hollegha mit sieben bis neun Grundfarben, die durch das Vermischen und Verdünnen zahlreiche Farbnuancen und Transparenzen entstehen ließen und die er teils mit der Hand oder einem Tuch verstrich. Dabei ergaben sich gestische Farbflächen, die an manchen Stellen ineinander geronnen waren und andernorts wiederum Konturen bildeten. Ausgangspunkt für Holleghas Malerei war stets der Gegenstand. Das konnte ein Ast, ein Stück Holz, ein Korb, ein Knoten, eine Wurzel oder eine Mütze sein. Meist gibt es darauf einen Hinweis im Titel, denn Holleghas Arbeiten sind selten unbenannt. Der künstlerische Akt selbst begann mit einer Zeichnung, die zuerst den Gegenstand erfassen sollte. Erst danach fing der eigentliche Akt des Malens an, der - begleitet von klassischer Musik - durch die Bewegungen aus der Zeichnung, die er mit dem Körper aufzunehmen schien, geprägt war. Dabei war Holleghas Malerei keine gestische wie jene Jackson Pollocks, sondern eine gegenständliche, denn er wollte den Gegenstand nicht verschwinden lassen, sondern ihn mit seinen Mitteln in Malerei verwandeln. Auch wenn seine Werke oftmals keine Hinweise mehr auf das Objekthafte aufweisen, deuten sie auf einen Transformationsprozess hin, der in seinem Ergebnis einer sinnbildlichen Farbkomposition gleicht.

Mehr Texte von Désirée Hailzl

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Wolfgang Hollegha 1929 – 2023
23.05 - 27.07.2024

Galerie Ulysses
1010 Wien, Opernring 21
Tel: +43 (0)1 / 587 12 26, Fax: +43 (0)1 / 587 21 99
Email: ulysses@galerie-ulysses.at
http://www.kunstnet.at/ulysses
Öffnungszeiten: Di-Fr 10-18, Sa 11-14


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