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Otto Muehl - Leben / Kunst / Werk: Maler Muehl

Vincent van Gogh hatte das schöne Credo, er sei ein Malermönch in seiner Klause, der einmal pro Woche ins Bordell geht. Otto Muehl, der sich in vielerlei Bildern und einem abendfüllenden Spielfilm mit dem trauten Niederländer ins Benehmen gesetzt hat, hielt es offenbar genau umgekehrt. Er war der Frauenbeglücker in seiner Kommune, der einmal pro Woche ins Atelier ging. Nun hat Muehl im MAK also seine Retrospektive. Man kann sie im ersten Stock des Ausstellungstrakts an der Weiskirchnerstraße auf zweierlei Art betreten. Kommt man rechts herein, hat man Arbeiten aus allerjüngster Produktion vor der Nase, Keith-Haring-artiges Gepinsel von, nun ja, einer gewissen Dekorativität. Also nimmt man den Eingang links, und schon findet man das ganze schleimige, sexuelle, Blut-und-Gallert-triefende Zeug, das Muehls Ruhm verkörpert. Hier macht man es sich richtig gemütlich, schreitet die Räume entlang, in denen es immer verwegener zugeht, bis man ins Zentrum der Veranstaltung gerät, das sich passender Weise auch im Saal genau in der Mitte ereignet. Ganz unaktionistisch ist hier eine Chronologie von Muehls Kommune-Aktivitäten an die Wand geschrieben, als seis ein Menetekel. Diese Darstellung ist durchaus kritisch, schließlich weiß auch die von Bettina Busse kuratierte Schau um Mühls Vergangenheit. So weit, so normal. Was dann aber folgt, ist ein Schaustück in Geschichtsklitterung. Die Präsentation beginnt nämlich wieder von vorne, kramt ein allerbanalstes Frühwerk hervor und inszeniert fortan Muehl als Maler. Es gibt, so findet es sich mit vielerlei Tafeln an die Wand geheftet, ein Oeuvre, das allein aus Gemälden besteht, aus autonomen Stücken Kunst, die ihre eigene, durchaus obsessive, aber vom Karree des Rahmens in der Fasson gehaltene Welt beschreiben. Die Vierzehnjährigen, mit denen Muehl ja doch sehr parallel zu tun hatte, sie sind einfach nicht da. Nicht ungeschickt und sehr manipulativ erzählt die Ausstellung von Kontinuität und Bruch zugleich. Die Kommune, das ist die Konsequenz aus dem Aktionismus. Auf der anderen Seite aber ist Muehl, und der ist eigentlich ein Künstler, der Bilder macht. Muehl ist das 68 von Österreich. Dass jetzt wieder über ihn diskutiert wird, heißt für Österreich die Aufarbeitung von 68. Wenn die Aufarbeitung dieser Vergangenheit so ausfällt wie die Ausstellung, bedeutet das nichts Gutes.
Otto Muehl - Leben / Kunst / Werk
03.03 - 30.05.2004

MAK - Museum für angewandte Kunst
1010 Wien, Stubenring 5
Tel: +43 1 711 36-0, Fax: +43 1 713 10 26
Email: office@mak.at
http://www.mak.at
Öffnungszeiten: Di 10-21, Mi-So 10-18 h


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