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Overground Resistance: Klima auf Verhandlungsbasis

Die Frage der Sichtbarkeit unterschiedlicher Ausprägungen der Klimagerechtigkeitsbewegung stellt Oliver Ressler im frei_raum Q21 exhibition space, in dem er Arbeiten von Kolleg:innen und Kollaborateur:innen untersucht und Bezüge zur eigenen künstlerischen Praxis herstellt. 

Die Diskrepanz zwischen einer konzernbedingten, ökosozialen Abwärtsspirale und einem künstlerischen Dagegenhalten manifestiert sich etwa in Lauren Bon and The Metabolic Studio‘s Neonarbeit „Artists Need to Create on the Same Scale That Society has the Capacitiy to Destroy“. Wie Künstler:innen gegen die Machenschaften des Anthropozäns bzw. Kapitalozäns vorgehen, zeigen jene aktivistischen Ansätze, mit denen sie in Realdiskurse eindringen und vorwiegend im öffentlichen Raum Position beziehen. Mit einigen in der Ausstellung vertretenen Künstler:innen veranstaltete Ressler im Februar 2020 bei Camera Austria ein Symposium zu Fragen des künstlerischen Potentials innerhalb der Klimagerechtigkeitsbewegung, wobei er die Beiträge der einzelnen Diskutant:innen aufnahm und im frei_raum in zwei farbflächig hinterlegten Videoarbeiten unter dem Thema „Barrikadenkulturen der Zukunft“ präsentiert.    

Eine der Teilnehmerinnen, Aka Niviâna, zeigt ihren gemeinsamen Film mit Kathy Jetn̄il-Kijiner: „Rise: From One Island to Another“ (2018), ein poetischer Versuch über die Problematik der Wohnorte beider Künstlerinnen: Grönland und die Marshallinseln, die von schmelzenden Eismassen und dem damit einhergehenden steigenden Meeresspiegel betroffen sind. Ein weiterer Teilnehmer des Symposiums war Jay Jordan von der Gruppe The Laboratory of Insurrectionary Imagination. Ihr Beitrag kann als eine der ausgeklügelten aktivistischen Gesten angesehen werden, die auch Ressler in einem Projekt verarbeitet hatte. Zu sehen ist ihr Video „Notre Flamme Des Landes: The Illegal Lighthouse Against an Airport and Its World” (2018). Hierbei handelte es sich um die Verteidigung jenes Landgebietes, auf dem ab 2012 der Aéroport du Grand Ouest gebaut werden hätte sollen. Nach langjährigen Besetzungen der ZAD (Zone à Défendre) und dem Errichten einer Kommune kam es 2018 zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen Polizei und Aktivist:innen, wonach Präsident Macron das Bauvorhaben einstellte. Wo der einst geplante Kontrollturm stehen hätte sollen, befindet sich ein illegal errichteter Leuchtturm inmitten des weiterhin autonom geführten Gebiets.

Die Ausstellung inkludiert sämtliche Medien und lässt auch Spuren von Malerei zu. Quer durch den Raum verteilt befinden sich einige der Fotos von Sedays Übermalungen der Schaufenster von über 100 französischen Banken, die auf deren Komplizenschaft im weltweiten Klimakollaps verweisen. Weitere Arbeiten beziehen sich etwa auf die Situation in Brasilien (Tiago de Aragão), Chile (Francisco Huichaqueo), dem indigen besiedelten North Dakota (Gilbert Kills Pretty Enemy III) oder London (Noel Douglas). Ressler gelingt es, verschiedenartige Beispiele zusammenzuführen, die aus seiner Jahrzehnte-langen Recherche und künstlerischen Auseinandersetzung mit diesem Thema resultieren und ihn zu einem der frühen Protagonist:innen in diesem künstlerisch-aktivistischen Spannungsfeld machen.

Overground Resistance
26.08 - 21.11.2021

frei_raum Q21
1070 Wien, Museumsplatz 1
Email: Q21tours@mqw.at
http://www.Q21.at
Öffnungszeiten: Di-So 13-20 h


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