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Schnittstellen eines Identitätstransfers

Das FLUC am Wiener Praterstern versucht sich bereits seit Juli 2020 als Gegenmodell zu den pandemisch bedingten Sperrszenarien und setzte die seit 2008 bestehende und während des ersten Lockdowns unterbrochene Kunstreihe „In der Kubatur des Kabinetts“ seither als Outdoor Projekt fort – diesmal in Kooperation mit der Akademie der bildenden Künste Wien. Die aktuelle Installationsreihe wurde neben den im Außenraum 24 Stunden rund um das FLUC zu sehenden Billboards um Videos internationaler KünstlerInnen wie Sandra Monterroso, Jianan Qu, Marie Carangi & Rheremita Cera ergänzt, die auf der Website der Institution als auch auf jener der Akademie der bildenden Künste gezeigt werden.

Ausgehend vom Ort des Geschehens thematisiert das Projekt die Hybridisierung des Alltags, die eine Multiplizität identitätsstiftender Formationen generiert und von KünstlerInnen unterschiedlicher Herkunft, die als Studierende der Akademie der bildenden Künste die Billboards bespielen, inhaltlich und medial erweitert wird. Hybridität gilt spätestens seit Homi K. Bhabhas Theorie des Dritten Raums in den 1990er Jahren als zentrales Diskursmoment, das neben realmigratorischen Hintergründen zunehmend auf einer virtuellen Ebene verhandelt wird.

Jene Schnittstelle zwischen Herz, Körper und Spiritualität thematisiert MSTEAZAH in „my bleeding heart.“ Durch die Schrift werden hier philippinische Einflüsse des Tagalogs sichtbar, die a priori einer zusätzlichen Übersetzungsebene bedürfen und visuelle Eindrücke als multiple Interpretationsansätze bieten. Female Obsession hingegen zeigt mehrere Poster in Zusammenarbeit mit KünstlerInnen aus Myanmar, die das gegenwärtige Civil Disobedient Movement gegen die Militärdiktatur propagieren, um sich gegen die Oppression von Frauen und für eine internationale Solidarität einzusetzen. Gloria Bergner widmet sich ebenso der Repräsentanz von Frauen und collagiert Abbildungen vom 14.-17. Jahrhundert als Zeitreise durch Epidemien und ihre Schutzmaßnahmen. Ebenso zu sehen eine Leerstelle, in der Forscherinnen Platz finden sollen, an deren Stelle bisher vorwiegend Männer agieren. Die Russin Kristina Cyan beschäftigt sich mit der Dringlichkeit politischer Fragestellungen, die im öffentlichen Raum nicht notwendigerweise Sichtbarkeit erlangen, während sich die portugiesische Künstlerin Francisca Patrocínio mit der Bewegung des Zorns und den daraus resultierenden Revolutionsbewegungen auseinandersetzt, die im Billboard durch Körpersilhouetten abstrahiert und mit textuellen Versatzstücken ergänzt wurden. Jana Jess hingegen befasst sich mit der Werbetafel als klassisches Verführungsmedium.

Kuratorin Ursula Maria Probst erprobt in dieser Ausgabe der Kubatur aus einer feministischen Sichtweise den Blick auf aktuelle soziale und politische Fragen, die hybriden Sichtweisen geschuldet sind und die KünstlerInnen aus unterschiedlichen Ländern aufgrund ihrer Anbindung an die Akademie trotz Pandemie bei der Eröffnung im Außenraum unter Einhaltung der Covid-19 Sicherheitsmaßnahmen anwesend sein ließen.

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Noch bis 8. März rund um das Fluc, Praterstern 5, 1020 Wien
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