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3 aus Leipzig - Tom Fabricius, Jörg Lozek, Julia Schmidt: Spätkapital, Neoliberal

Dass die Malerei bisweilen tot und dann wieder quietschfidel ist, weiß man in der Zwischenzeit. Parallel dazu lässt man die Figuration oder wahlweise den Realismus gleich mit leben oder sterben. Alle diese Fehl- und Wiedergeburten wären nicht der Rede wert, wenn es nicht doch eine gewisse Wahrheit dabei gäbe. Vor 25 Jahren hatte der Realismus in Gestalt der jungen Wilden emphatische Konjunktur. Berlin, Köln und Hamburg waren damals die Zentren in Deutschland, und wenn man sie Revue passieren lässt, fällt auf, dass sich die Kölner und die Hamburger, die Dahn, Dokoupil, Büttner, Oehlen und Kippenberger sehr gut, die Berliner dagegen, die Salome, Fetting, Middendorf, überhaupt nicht behaupteten. Wahrscheinlich liegt das daran, dass letztere eine übermächtige Tradition hatten, in die sich einklinkten, während erstere gefordert waren, sich selber zu definieren. Erstere wurden konzeptuell, letztere malten Großstadtbilder. Beim Realismus, und das wäre die Wahrheit, reicht es nicht zu malen, was man sieht. Nun hat Deutschland wieder einen Figurationsschub und ihm geht wieder, wie seinerzeit in Berlin, ein Traditionsschub einher. Er kommt diesmal aus dem Osten, namentlich von der renommierten Leipziger Hochschule für Grafik und Buchkunst, die schon der seligen DDR den Nachschub an sozialistischem Idiom garantiert hatte. Nach den Heisig, Sitte, Tübke, heißt der Großmeister jetzt Neo Rauch. Und die Jungen drücken nach. Drei von ihnen hat Mathias Kampl in seine Münchner Galerie geladen. Tom Fabritius, Jahrgang 1972, Jörg Lozek (1971) und Julia Schmidt (1976) malen die aktuelle Wirklicheit der zu Autorität und Audi gekommenen neuen Bundesländer, ihre aufgemöbelten Datschen, ihre Werbekampagnen und was es sonst noch an Schönem gibt zwischen Pleiße und Neiße. Im Gegensatz zu ihren Kollegen aus der Alten Welt beherrschen sie ihr Metier. Fabritius wagt sich gar an Wasserfarben auf Leinwand. Mit ihrer Ironie erinnern sie an den frühen Gerhard Richter, seinerseits Leipzig-Absolvent, und seinen zusammen mit Konrad Fischer ins Werk gesetzten "Kapitalistischen Realismus". Ihm setzen sie nun ihren realistischen Kapitalismus entgegen. Man darf gespannt sein, ob das reicht.
3 aus Leipzig - Tom Fabricius, Jörg Lozek, Julia Schmidt
12.09 - 31.10.2003

Galerie Mathias Kampl
80469 München, Buttermelcherstraße 15
Tel: +49(89) 219 38 200, Fax: +49(89) 219 38 201
Email: galeriekampl@aol.com
http://www.galeriematthiaskampl.de
Öffnungszeiten: Di 14 - 21 h Mi - Fr 14 - 18 h, Sa 11 - 14 h


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