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Unsympathler-Verein

Selten sperrt sich eine Großausstellung derart gegenüber der Öffentlichkeit wie die diesjährige documenta. Das zeigte sich schon bei der Eröffnung: Die ausgegebenen Stadtpläne waren zwar wunderschön anzusehen, aber völlig untauglich zur Orientierung. Über die Kunstwerke selbst war in der Ausstellung selbst kaum etwas in Erfahrung zu bringen, das „Daybook“, das man stets mitschleppte, gab darüber ebenso wenig Auskunft. Bei vielen Exponaten fehlte die Beschriftung; so wusste man nicht einmal, von welchem Künstler, welcher Künstlerin die Arbeiten stammten. Ob all das Teil einer bewussten Verwirrungsstrategie – das „Verlernen“ ist ja derzeitig hoch im Kurs – war, musste offen bleiben: documenta-Chef Adam Szymczyk spricht kaum mit den Medien.


Doch wahrscheinlich, so hoffte ich damals in meiner Verzweiflung, werden diese Versäumnisse durch eine tolle Kunstvermittlung irgendwie ausgebügelt. Wird sich alles irgendwie einspielen. Doch alles, was jetzt von der Großveranstaltung berichtet wird, deutet nicht darauf hin. Kürzlich berichtete der „Spiegel“ von einer Führung durch die documenta. Wobei, „Führung“ darf man eigentlich nicht sagen, pfui, Frontalunterricht. Vielmehr nähere man sich durch „Spaziergänge“. Diese dürften der Kunst allerdings eher schaden als nutzen. Das fängt schon damit an, dass die Vermittler keine Fachleute sind, sondern einfach irgendwie Interessierte, die sich gemeinsam mit den Besuchern als „Chor“ durch die Räume bewegen. Leider dürften sie selbst eher wenig über die Exponate zu sagen haben, eine Taktik, die das Publikum offenbar eher ratlos zurückließ. Selbermachen gilt aber auch nicht: Denn laut „Hessischen Niedersächsischen Allgemeinen“ wird Menschen in den Räumen der documenta der Mund verboten, wenn sie zu laut gegenüber einer Gruppe sprechen. Mitarbeitern in Athen wurde nicht der versprochene Lohn bezahlt, gegen unliebsame Berichterstattung mobilisiert man Anwälte, wie zu hören ist.


Desinformation, Sprechverbote, Ausbeutung: Irgendwie wird mir diese Veranstaltung, die so aufklärerisch sein will, immer unsympathischer.

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