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Die Geister der Moderne

Die Auktionen zeitgenössischer Kunst im Dorotheum am 1. und 2. Juni

Wie bereits in den vergangenen Jahren hat das Dorotheum bei seiner Zeitgenossen-Auktion auch diesmal eine ganze Reihe italienischer Avantgarde im Programm. Allen voran ein Concetto Spaziale, Attesa aus 1967/68 von Lucio Fontana, das mit einem Schätzwert von 600.000 bis 800.000 Euro das Toplos der Auktion am 1. Juni bildet. Neben den weiteren Italienern wie Enrico Castellani, Giulio Paolini oder Agostino Bonalumi sind auch wichtige Protagonistinnen der italienischen Kunst in dieser Auktion vertreten: Carla Accardi (1924-2014) gehörte zu den WegbereiterInnen der abstrakten Malerei in Italien und war 1947 Mitbegründerin der Gruppe „Forma 1“, die sich im Geist des Marxismus gegen jede gegenständliche Kunst wandte. Sie arbeitete bereits in den frühen 1960er Jahren auf transparenter Folie, die sie bald auch dreidimensional einsetzte und damit auch die Arte Povera beeinflusste. Eine zweite bedeutende Künstlerin aus Italien war Dadamaino (Eduarda Emilia Maino, 1930-2004), die sich nach ihrer ärztlichen Ausbildung Ende der 1950er Jahre der Kunst zuwandte. Neben den Nachfolgern von Fontana, wie Bonalumi, Castellani und Manzoni die Gründer der Gruppe Azimut, schloss sich Dadamaino auch der deutschen Zero-Gruppe an. Ebenfalls eng mit der Zero-Gruppe verbunden war Nanda Vigo (geb. 1936 in Mailand) die auch die Zero-Ausstellung in Lucio Fontanas Atelier in Mailand 1965 kuratierte. Die an der Schnittstelle von Kunst, Architektur und Design arbeitende Künstlerin hat u.a. das Zero-Haus in Mailand geplant und für ihr Lampendesign den New York Preis für Industriedesign erhalten. Ähnlich wie Nanda Vigo arbeitet auch Grazia Varisco (geb. 1937 in Mailand) mit Licht, das sie in ihren Objekten und kinetischen Arbeiten in Beziehung zum Betrachter treten lässt. 1960 trat sie der Gruppo T bei, deren Mitglieder sich einer rationalen, dem technologischen Fortschritt verbundenen Kunst widmeten.

Licht und seine energetischen und optischen Eigenschaften hat Adolf Luther seine gesamte künstlerische Laufbahn beschäftigt. Berühmt wurde er besonders durch seine Objekte aus Hohlspiegeln diverser Größen und Krümmungen von denen insgesamt fünf Stück in den beiden Auktionen versteigert werden. Licht als Medium der Kunst führt zum Hauptvertreter der Zero-Gruppe, dem 2014 am Tag nach der Eröffnung seiner großen Retrospektive in Berlin verstorbenen Otto Piene. „Die Reinheit des Lichts, die die reine Farbe schafft, die wiederum Ausdruck der Reinheit des Lichts ist, erfasst den ganzen Menschen mit ihrem Kontinuum des Flutens, des rhythmischen Hin- und Herströmens zwischen Bild und Betrachter, das unter bestimmten formalen Bedingungen zum zwingenden Pulsschlag, zu einer totalen Vibration wird. [...] Die Energie des Lichts verwandelt sich auf rätselhafte Weise über dem Felde des Bildes in vitale Energie des Sehenden.“, schrieb Piene über die Reinheit des Lichts 1958. Neben zwei Keramikobjekten, zwei Feuergouachen und dem Gemälde „Run“ kommt auch das Lichtobjekt „Weisser Lichtgeist“ aus dem Jahr 2012 zur Versteigerung. Das auf 230.000 bis 280.000 Euro geschätzte Werk ist eines von sechs Originalen die auf der Biennale von Venedig 2013 und der großen Zero-Ausstellung im Martin-Gropius-Bau in Berlin gezeigt wurden.

Weitere Highlights bei den Zeitgenossen sind das Portrait von Karl-Heinz Hering, 1968 (400.000 – 600.000 €) gemalt von Gerhard Richter, das zu den Wichtigsten aus der Serie der frühen Portraits gezählt wird, Anish Kapoors Skulptur Pouch (250.000 – 400.000 €) die durch intensives Rot besticht und Maria Lassnigs „Hitze der Geschwindigkeit“ von 1985 (140.000 – 200.000 €). Mit „Untitled 1 (anomalies from a candy factory)“ aus den Jahren 2013/2014 kommt ein Werk eines internationalen Shootingstars im Dorotheum unter den Hammer. Seit 2013 wird der 1986 in Kolumbien geborene und in London aufgewachsene Oscar Murillo von David Zwirner in New York vertreten. Der als der „neue Basquiat“ gehandelte Künstler hat eine steile (Preis)Karriere hinter sich und ist in den Sammlungen Rubell und Hort in den USA vertreten. Dass er früher zu den Künstlern des von Walter Robinson geprägten Kunst-Schimpfwortes „Zombie Formalism“ gezählt wurde, hat weder seinem Werk, noch seinen Preisen großen Schaden zugefügt und man kann gespannt sein, ob die 11-teilige Installation den oberen Schätzpreis von 120.000 Euro überschreiten wird.

Österreichische Kunst ist im mittleren Preissegment zu finden. Franz West ist u.a. mit zwei Kodu-Stühlen aus dem Jahr 2001 aus der Galerie Bärbel Grässlin vertreten (12.000 – 20.000 €) Hermann Nitsch natürlich mit Gemälden und Aktionsrelikten, Erwin Wurm mit einer Brunnenskulptur (20.000 – 30.000 €) und zwei Fotoarbeiten und der erst im April dieses Jahres viel zu früh verstorbene Gunter Damisch mit vier Werken aus den 80er und 90er Jahren. Pikant wird es bei einer Werkserie von Arnulf Rainer, der 1987 erotische Drucke von Peter Fendi übermalt hat (je 3.000 – 4.000 €). Man wird sehen, ob Sex auch diesmal „sells“.

Die Auktionen der Auktionswoche
Klassische Moderne: 31. Mai 18 Uhr
Zeitgenössische Kunst Teil 1: 1. Juni 18 Uhr
Zeitgenössische Kunst Teil 2: 2. Juni 17 Uhr
Juwelen: 2. Juni 14 Uhr
Armband- und Taschenuhren: 3. Juni 16 Uhr

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