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Anemona Crisan - Écorché: Studien der Raum- und Selbstwahrnehmung

Woher kommen wir und vor allem - quo vademus (?) - wohin gehen wir? Dieser Frage rückt Anemona Crisan mit ihrer aktuellen Ausstellung im bildraum 07 ein Stück näher.
Die in Rumänien geborene und in Österreich aufgewachsene Künstlerin arbeitet raumüberschreitend. Nimmt man Kunst im öffentlichen Raum wahr oder ist es der Ausbruch aus dem Ausstellungsspace? Dies fragt sich wohl ein Passant, der diesertags durch die Burggasse im siebenten Bezirk geht.

Angelehnt an die Darstellung anatomischer, technischer und architektonischer Studien, das sogenannte Écorché, das den Menschen, technische Objekte und Gebäude ohne äußere Hülle zeigt, hebt die Künstlerin Strukturen der Galerie hervor und macht Eigenheiten sichtbar. Es legt die Anatomie des Raumes dar, mag man meinen. Das Experiment mit unserer Wahrnehmung von Dimensionen und Raumkastensystematik wird anschaulich gemacht.
Anemona Crisan, deren Arbeiten inhaltlich um ein Triangel bestehend aus Körper, Architektur und Technik kreisen, lotet in der eigens für den bildraum 07 konzipierten und in situ entstandenen Installation die gegebenen Raumgrenzen aus. Die überlebensgroßen Wandmalereien überziehen in beherrschender Linienführung die Innen- und Außenflächen, öffnen den Raum und lenken die Aufmerksamkeit des Betrachters auf eine neu entstandene und inszenierte Umgebung.
Der Betrachter blickt eo ipso - als menschliches Wesen hinterfragend auf sich selbst - hinter die eigene Fassade, um sich selbst zu erkennen und von sich aus die anderen zu verstehen.
Ein klassisch humanistischer Blick wird verdeutlicht. Das Wissen wer man ist, basiert auf dem Wissen woher man kommt und bestimmt darüber hinaus wohin man geht.

In Arbeiten auf Papier und Leinwand reizt die Künstlerin im zweiten Teil der Ausstellung die Oberflächen ihrer Figuren weiter aus, selektiert das Leibliche in scheinbar unendlichen, bandbreiten Spuren von Bewegungen, bis eine dahinter geschichtete Struktur in Erscheinung tritt. An technische Gebilde erinnernde Körper tauchen ergänzend zur Raumintervention aus der Dunkelheit innerer Architekturen aus Licht und Schatten auf. Écorché wird in psychoanalytischer Manier somit auch zum Blick jenseits der Oberfläche und eine Suche nach dem eigentlichen Wesen von Körper und Raum.

Anemona Crisan wurde 1980 in Bukarest geboren. Nach dem Kunstgeschichtestudium in Innsbruck studierte sie an der Akademie der bildenden Künste Wien.
Die Künstlerin arbeitet raumerweiternd. So entstand im Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum 2015 eine Raumintervention, die als Teil der Ausstellungsrundganges gezeigt wird. 2014 zeigte sie in der Zacheta – National Gallery of Art in Warschau eine raumgreifende Installation. Auch um die Ecke des bildraum 07 - entstand 2009 in der Spittelberg Passage - Kunst im öffentlichen Raum en passant.
Neben Galerievertretungen im In- und Ausland ist Anemona Crisan Preisträgerin des Walter Koschatzky Kunstpreises und des Josef-Franz-Würlinger-Preises des Landes Tirol.

Anemona Crisan - Écorché
24.06 - 16.08.2016

Bildraum 07
1070 Wien, Burggasse 7-9
Tel: +43 1 815 26 91, Fax: +43 1 813 78 35
Email: office@bildrecht.at
http://www.bildrecht.at/bildraum

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