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Schrift im Bild: Sie schreibt...

Die 1896 von George Schinteffe-Blacky erbaute und 1924 von der Familie Deutsch erworbene Villa in Strobl durchlief nach knapp zwanzigjähriger Nutzung als Sommerresidenz Stationen der In-Besitznahme durch die Nazis, der Restitution, eines Casinobetriebs für die Klientel der amerikanischen Besatzer und einer Sommerhochschule für die Universität Wien. Schließlich kam das markante Gebäude in den Besitz der Gemeinde Strobl und ist seit Ende der 1990er-Jahre ein wichtiger Ort für zeitgenössische Kunst im Salzkammergut. Die Gruppe rund um „Deutschvilla - Verein zur Förderung aktueller Kunst“ zeichnet verantwortlich für die zumeist in den Sommermonaten stattfindenden Ausstellungen im Haus.

Noch bis 20. Juli sind u.a. Arbeiten der Künstlerinnen Astrid Esslinger, Ursula Hentschläger und Petra Kodym zu sehen. Gemeinsam ist ihnen, dass sie Text im Bild inszenieren, der erst durch kritische Neuanordnung einer bestehenden Ordnung in die Autorschaft der Künstlerinnen gelangt und geschrieben wird: Piktogramme und Logos der globalen Marktwirtschaft (Esslinger), Verben und differenzierende Vorsilben lexikalischer Varianz (Hentschläger) sowie Sprüche und Titel aus den Verheißungen der Gesundheits- und Werbeindustrie (Kodym).

Astrid Esslinger, in deren Malerei markante Figuren in privaten Lebenssituationen zumeist BeobachterInnen des eigenen – immer auch gesellschaftspolitisch geprägten – Umfelds werden, richtet in ihrer „Handgepäckproduktion“ den Blick nach Außen. Die in Aufenthalten in Sao Paulo, Teheran, Berlin und dem Salzkammergut geschaffenen Figuren bestehen aus Verpackungsmaterial. Die Logos, Schriftzeichen und Piktogramme sprechen eine globale Sprache, auch wenn manche Schriftzeichen auf den temporären Gefäßen der Waren nicht immer für alle lesbar sind. Esslinger nutzt die graphischen Kompositionen und verlagert mittels Cut-Out-Technik die Schwerpunkte auf die neu geschaffenen Oberflächen ihrer Figuren. Was auf den Kartonagen bloße Codierung ist, erhält durch die Figur eine zusätzliche, narrative Ebene. Die Strichcodesklaven tragen, schieben, pausieren, heben und posieren. Sie sind Teil der von Transport, Logistik und Warencodierung geprägten Konsumwelt und treten dennoch sehr individuell mit den Prozessen der Finanz- und Handelswelt in Beziehung.

Ursula Hentschläger schreibt mit der Anordnung häufig genutzter Verben und Substantiva und der lexikalischen Varianz derselben mit einzelnen Vorsilben Texte auf ihre digital bearbeiteten, fotografischen Bilder. In der Werkreihe LiebEnde (2010-14) nutzt sie die strukturelle Ordnung von Sprache ebenso wie jene von Wasseroberflächen und deren Spiegelungen zur künstlerischen Analyse von Handlungsräumen in zwischenmenschlichen Beziehungen. Die morphologische Affinität der Begriffe, die in ihrer Fortführung als Reihe formale Ordnung erzeugt, bedeutet einmal Widerspruch, einmal Ergänzung und zeigt ein anderes Mal eine neue Perspektive auf. Hentschläger spannt einen mehrdimensionalen Rahmen, dessen einzelne Sujets Oberflächen aus der Natur zeigen. Durch Nahaufnahme und Verschlusszeit erreicht Hentschläger eine zur Abstraktion reichende Darstellung. Dass individuelle Erlebnisse selektiv erinnert werden, ist ein Umstand, den die formal als Serie gearbeiteten Naturaufnahmen implizieren. Die jeweilige Sicht der BetrachterInnen auf ihre eigenen Handlungsfelder spielt mit, schreibt mit und eignet sich die von Hentschläger geschaffene Ordnung an.

Petra Kodym zeigt Bilder und Umstände von Menschen deren Namen im Titel der Arbeit vorkommen und deren Leiden sich einerseits durch die eigenen Begehrlichkeiten, der Verfügbarkeit von (zu) vielen Heilmitteln und -methoden und zuletzt durch die eigenen Schwächen herleiten lassen. Dem ohnmächtigen und manipulierten Menschen stellt sie dabei Textteile massenmedialer Publikationen bei und ergänzt diese mittels Bleistift, Tusche und Acryl. Die Collagen (Billy Smith, 2008 und Franzens Adjustierung, 2010) zeigen ironisch-irreale Sequenzen, die den abgebildeten Körper einer produktiven Spannung zwischen eigenem Begehren und ferngesteuerter Einflussnahme äußerer Kräfte aussetzen.

„Schrift im Bild“ zeigt neben den besprochenen Arbeiten auch Arbeiten von Peter Assmann, Charles Kaltenbacher, Josef Ramaseder und Werner Schimpfl.

Schrift im Bild
21.06 - 20.07.2014

Deutschvilla / Verein zu Förderung aktueller Kunst
5350 Strobl am Wolfgangsee, Haus Nr. 84
Email: kontakt@deutschvilla.at
http://deutschvilla.at/
Öffnungszeiten: Fr, Sa, So 15-18 h


Ihre Meinung

2 Postings in diesem Forum
karte
rita | 09.07.2014 10:26 | antworten
die karte zeigt nicht strobl am wolfgangasse sondern weissenbach :) dreuschvilla Deutschvilla Haus Nr. 84 5350 Strobl
Korrektur
Redaktion | 09.07.2014 02:34 | antworten
sorry, jetzt sollte der Karteneintrag stimmen

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