Marktrarität
Margareta Sandhofer, 01.06.12
Wie fast schon gewohnt, ist die Nachfrage nach Gemälden von anselm glück (geb. 1950 in Linz) außerordentlich groß. Ob das an der vordergründigen Heiterkeit seiner Werke liegt, die gerade in härteren Zeiten wie diese die KundInnen anziehen mag, sei dahin gestellt. Es ist in jedem Fall bemerkenswert. Aus diesem Grund stellt auch ein frühes Werk wie „excuse my language, sir (ny ’95)“ von 1995 am aktuellen Markt eine Rarität dar.
Der Titel ist ein Zitat aus dem Zusammenhang einer zufälligen Begegnung des Künstlers mit einer Passantin in einer New Yorker U-Bahnstation, eine Momentaufnahme der erlebten Situation wie das Gemälde selbst: Ausschnitthaft, unruhig bewegt, ohne definierten Fokus. Musterartig verteilte Figuren sind von einem weißen Untergrund umgeben, der paradoxer Weise eine unterschwellig lauernde und bedrückende Atmosphäre vermittelt. Als nicht greifbare Masse scheint er die Gestalten zu penetrieren und zu deformieren. Tatsächlich bildet die weiße Fläche im malerischen Prozess auch den Abschluss. Was bleibt, sind zu zeichenhaften Kürzeln determinierte Kreaturen, entfremdet und bezugslos wie die grellen Lichter, die ihre schwarz umrissenen, volumenlosen Körper reflektieren.
An Stelle der offensichtlichen spielerischen Leichtigkeit der jüngeren Werke anselm glücks, welchen eine subversive, oberflächliche Objektivität eigen ist, latent aber doch charakteristisch, attraktiv aber auch problematisch, trägt das Gemälde von 1995 eine tiefgründige unmittelbare Erfahrung vor, in seiner Subjektivität durchgehend menschlich und von vergleichbar stärkerer realer und wahrer Qualität.

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Galerie Kovacek & Zetter
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31.05.2012 bis 13.06.2012

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