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MAK – Kunst versus Kreativwirtschaft

Für das Wiener „Museum für Angewandte Kunst“ ist ein neuer Direktor bestellt worden und alle – so heißt es in den ersten Pressemeldungen – freuen sich darüber: Christoph Thun-Hohenstein, der das Amt mit 1. September 2011 übernehmen wird, sei viel seriöser und auch weniger dem Personenkult zugeneigt als sein Vorgänger Peter Noever. Er sei ein Teamspieler von großem diplomatischem Geschick und dies sei für die hochgradig irritierten Mitarbeiter des Hauses schon mal gut. Außerdem hätte Thun-Hohenstein als langjähriger Leiter der Wiener Förderinstitution für die Kreativwirtschaft „departure“ einen guten Überblick über die Potenziale der Bereiche Design, Mode und Architektur. Das biete Hoffnung für die lokale Kreativszene. Möglicherweise wird es bei letzterem Argument aber bei der Hoffnung bleiben: Von einer Korrektur der Noeverschen Ausrichtung des Hauses war in der Antrittspressekonferenz nämlich nicht die Rede. „Alles“, was im MAK seit Jahren vom nominalen Auftrag („Förderung der angewandte Kunst“) abgelenkt hat, wird vielmehr fortgeschrieben: Sei es die seit zwanzig Jahren eingefrorene künstlerische Gestaltung der Schausammlungen oder die aufwendige Betreuung der Architektur- und Stipendiaten-Dependancen in Los Angeles, ja selbst die hypertrophe Inszenierung des ehemaligen Flakturms im Arenbergpark als Ausstellungsort und Depot für bildende Kunst soll erhalten bleiben. Möglicherweise wollte man sich für das letzte MAK-Jahrzehnt im Ministerium und im Kuratorium nicht auch noch mangelnde inhaltliche Aufsichtspflicht nachsagen lassen. Dass durch solch eine Fortsetzung der Steckenpferdreiterei des Vorgängers aber auch in Zukunft für das eigentliche „Kerngeschäft“ des Hauses wenig Raum- und Budgetressourcen zu Verfügung stehen werden, ist absehbar. Apropos Flakturm: Es ist ja nicht so, dass man aus einem massiven Bunkergebäude kein interessantes Ausstellungsgebäude für bildende Kunst machen könnte. Im Gegenteil: Das Sammlerehepaar Boros hat dies in Berlin auf hervorragende Weise bewiesen. Unterstützt vom Büro Realarchitektur (www.realarchitektur.de) haben sie einen ehemaligen Hochbunker in ein Ausstellungshaus umbauen lassen, das im Inneren durch seine skulpturale Qualität besticht und mit ihrer hochkarätigen Sammlung kontrastreich korrespondiert. Die entsprechenden Führungen sind trotz hoher Preise auf Wochen hin ausgebucht (www.sammlung-boros.de). Das Problem in Wien ist vielmehr einerseits das kämpferische Pathos des Projekts (allein schon aus dem Titel „Gefechtsturm“ trieft der Radical Chic) und sein unerträgliches Kokettieren mit Diktatur und Vernichtung (durch die Kunst), andererseits dass die entsprechende Kunstsammlung ein zusammengestückeltes Kramuri ohne Auftrag und Sinn ist. Unter Thun-Hohenstein soll der Bestand dem Publikum nun besser vermittelt werden. Zumindest dies scheint eine Aufgabe für Kreative zu sein. Besser wäre hingegen eine konsequente Beendigung der Agenda „Gegenwartskunst“ im MAK gewesen. Für diese Aufgabe gibt es in Wien tatsächlich mehrere andere Bundesmuseen. Sogar mit entsprechender Widmung.

Ihre Meinung

2 Postings in diesem Forum
Boros
Thomas Wulffen | 16.05.2011 08:10 | antworten
Na ja, der Garten des Nachbarn ist immer schöner. Dafür können's die Österreicher doch immer noch gut mit Ihren Herrschaftsgebaren, heißen sie nun Noever oder Matt. Schönes Theater.... Bernhard lässt grüßen.
Geschmacksache
bitteichweisswas | 16.05.2011 08:20 | antworten
und wieso gerade immer das MAK???? Spröde, eherne Flakturmarchitektur einschl. CAT- oä Aktivierungsvisionen finde ich allemal spannender, als den 20sten Krischanitz Museumsneu-oder anbau !!!! Die Nicht-Notwendigkeit eines "Wienmuseum-Neubaus" bspw. fände ich allemal interessanter zu propagieren, als in der 100sten Glosse über abgedroschene, subjektive Befindlichkeiten zu schwätzen.

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