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Angeschwärzt und durchgebissen

Nina Schedlmayer, 30.08.10

Leute, die in ihrem Lebenslauf „Freundschaften“ mit prominenteren KollegInnen anführen, müssen einem eigentlich von vornherein suspekt sein. Was soll denn das für ein amikales Verhältnis sein, wenn man zur Anhebung der eigenen Bedeutung damit prahlen muss? Dass sie mit Katharina Sieverding befreundet war, teilt etwa eine Künstlerin aus Düsseldorf mit, die derzeit das dortige Gericht beschäftigt. Auch Jörg Immendorff lernte sie irgendwann mal kennen, führt sie auf ihrer Website an.
Die Kreativität der Malerin (Spezialgebiet: weibliche Waden) beschränkt sich jedoch nicht auf die Nennung tatsächlicher oder angeblicher Freunde, wenn es drum geht, sich wichtig zu machen. Jüngst verklagte sie Carlo Schröter, der einst gemeinsam mit Daniel Spoerri die Eat Art Galerie führte; dieser habe nämlich falsche Angaben über die Urheberschaft einiger Kaugummibilder gemacht. Die Werke seien nicht François Morellet zuzuschreiben wie kürzlich bei einer Ausstellung geschehen, sondern ihr selbst, behauptete die Künstlerin. 1971 nämlich schwärzte die angebliche Sieverding-Freundin in ihrer damaligen Funktion als Galerieassistentin auf Anweisung Morellets die Bildträger und klebte ein paar mehr oder weniger benutzte Kaugummis drauf. Aber wie! Nämlich nicht so, wie vorgeschrieben, sondern mit Abweichungen! Die hat sich damals echt selber was überlegt beim Kaugummikauen, -beißen und -picken. Das Gericht muss sich jetzt mit der Frage beschäftigen, ob das eigenmächtige Arrangieren des trashigen Materials eine schöpferische Leistung darstellt oder nicht. Also ob man, wenn man etwas nach Vorgabe macht, aber minimal variiert, selber die Urheberin ist. Sogar einen Gebiss-Abdruck ließ die Betreffende vorlegen.

Wie ist eigentlich die (deutsche) Gesetzeslage beschaffen, dass Derartiges überhaupt bis in den Verhandlungssaal gelangen kann? Und wie verzweifelt muss eine Künstlerin sein, um sich selbst auf derart peinliche Art zu exponieren? In Zeiten von Google, in denen jegliche Bildproduktion nonchalant weiterverwurstet werden kann, mutet ein Urheberrechtsstreit dieser Ausrichtung ebenso bizarr wie archaisch an. Es gäbe weiß Gott dringendere Fragen zu klären.

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