Dennis Stock
Rainer Metzger, 15.01.10
Es regnet. Doch das ficht ihn nicht an, den Rebell, der mit den Elementen auch dem Elementaren trotzt, ihn, das jugendliche Großtalent, soeben mit „Jenseits von Eden“ endgültig als Weltstar etabliert. James Dean am Times Square, wie Dennis Stock ihn inszeniert. New Yorks Entertainment-Zentrale ist menschenleer, Jimmy Dean stapft durch die Einsamkeit, Mantelkragen hochgeschlagen, Zigarette im Mundwinkel, Unwirtlichkeit ist man gewöhnt, wenn man aus Fairmont, Indiana stammt und Unbehaustheit ebenso, wenn man in den Fünfzigern existiert, der hohen Zeit des Existenzialismus. Leere ringsum und Fülle im Herzen, doch derlei Lagen lassen sich auch andersherum denken: Kurze Zeit später wird Yves Klein in der Pariser Galerie von Iris Clert „Le vide“ inszenieren, den Raum als Vakuum, und 3.000 Leute stehen sich die Beine in den Bauch.
Dennis Stock, James Dean, © Magnum Photos
Dennis Stock hat mit seinem Foto eine, wie man sagt, Ikone des Jahrhunderts produziert. 27 war er damals, im Jahr 1955, und wenn es etwas Vergleichbares gibt zur düsteren Virtuosität des Fotos, ließe sich an Stanley Kubricks Erstling denken, „Killer’s Kiss“, einen Film von sechzig Minuten, der seinerseits in New York spielt (und der auf deutsch entsprechend den dämlichen Titel „Der Tiger von New York“ trägt), der auch am Times Square angesiedelt ist und ebenfalls im Zwischenreich von Gefährdung und Unwiderstehlichkeit. Kubrick und Stock sind beide Sprößlinge des Big Apple, im Abstand von zwei Tagen 1928 geboren, und beide Afficionados einer sich etablierenden Medienwelt.
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| Henri Cartier-Bresson, Alberto Giacometti
© Magnum Photos |


